Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

346  Vierter  Teil.  Weltwirtschaft  und  .Handelspolitik.  !.  Weltwirtschaft.

legt,  um  selbst  mit  seinem  reichen  Wissen  und  Können  mrd  seinem  Vermögen  dem
Gemeinwohl  zu  dienen.  In  dieser  Zukunft  wird  man  sich  allgemein  daran  erinnern,
daß  dem  wirtschaftlichen  Aufschwünge  Deutschlands  die  Arbeit  der  Kant-Gocthe-Schillerschen
  Periode  vorausgehen,  und  daß  ihm  die  politische  Einigung  folgen  mußte,
man  wird  nicht  vergessen,  daß  hinter  jedem  einzelnen  die  ganze  Nation  steht  mit  allen
ihren  Kräften  als  Halt  und  als  Schutz,  und  daß  der  einzelne  dieser  Nation  zurückzugeben
  hat,  wie  er  von  ihr  empfangen  hat.
Je  älter  die  wirtschaftliche  Kultur  einer  Gegend  ist,  umsomehr  ist  auch  obige
Einsicht  entwickelt.  Als  ein  Beispiel  für  solche  gesunde  Verhältnisse  darf  ich  wohl
hier  auf  Bremen  Hinweisen,  auf  die  alte  freie  .Hansastadt  mit  ihrem  ehrwürdigen
Kaufmannsstande  und  mit  ihrem  großen  Kreise  wissenschaftlich  und  künstlerisch
bedeutender  Menschen  und  ihrem  regen  Gemeinsinn,  für  den  schon  allein  das  System
der  Steuerauflage  beweisend  ist.  And  daß  es  oft  nur  eines  Mannes  bedarf,  uni
schlummernde  Kräfte  zu  richten  und  zu  wecken,  das  mag  uns  für  .Hamburg  der  eine
Name  Lichtwark  bezeugen.

3.  Die  europäischen  Kaffeemärkte.
Von  Rudolf  Sonndvrfer.

5  o  niid  o  r  fe  r,  Die  Technik  des  Welthandels.  Z.Aufl.  Wien  und  Leipzig,Alfred  ftölder,  *905.*)
Kaffee  ist  ein  wichtiges  Produkt  der  Tropenzone.  Am  besten  gedeiht  der
Kaffeebaum  an  sanften  Gehängen,  im  humusreichen  Lehmboden  von  Landschaften,  deren
Temperatur  nur  zwischen  15°  und  23°  L.  schwankt,  und  die  sich  gleichzeitig  eines
bedeutenden  Regenfallcs  erfreuen,  welcher  über  einen  großen  Teil  des  Jahres  verteilt
ist:  aber  die  Erntemonate  müssen  unbedingt  trocken  sein.  Für  die  Güte  der  Bohnen
des  arabischen  Kaffeebaumes  ist  entscheidend,  daß  das  Land  nicht  zu  nahe  dem
Meeresspiegel  liege;  im  Gegensatz  zu  ihm  ist  der  liberische  Kaffecbaum,  der  zumeist
an  der  Westküste  Afrikas  gezogen  wird,  eine  Pflanze  des  Tieflandes.
Die  Kultur  des  Kaffees  fordert  viel  Arbeit;  den«  in  der  Zone  tropischer  Regen
soll  der  Boden  möglichst  rein  von  Ankraut  sein,  und  da  nicht  alle  Bohnen  zu  gleicher
Zeit  reif  werden,  muß  wiederholt  geerntet  werden.
Das  wichtigste  Land  für  den  Bau  des  Kaffees  ist  Brasilien,  denn  dieses
liefert  fast  3 U  der  gesamten  Kaffeemcnge,  die  produziert  wird.  Das  Lauptgebiet  der
Produktion  sind  die  beiden  Küstenprovinzcn  Rio  de  Janeiro  mit  dem  .Hinterlande
Minas-Geraes  und  Silo  Paolo  (.Hasen  Santos).  Von  dem  Werte  der  Warenausfuhr ­
  Venezuelas  (Lasenplätze  Maracaibo,  La  Guayra,  Puerto-Cabello  rc.)  und
Kolumbias  (.Hafen  Savonilla)  entfällt  der  stärkste  Anteil  auf  Kaffee.  Relativ
bedeutend  ist  der  Kaffeebau  an  der  Westküste  Zentralamerikas;  allen  voran  ist
jetzt  Guatemala,  dann  folgen  Costarica  und  S.  Salvador;  auch  in  Mexiko  steigt
andauernd  die  Produktion  des  Kaffees.  In  Westindien  sind  hervorzuheben  die  Republik
Laiti,  Portorico  und  Jamaika.
Das  zweite  große  Gebiet  der  Kaffceproduktion  liegt  im  Südosten  Asiens.  An  der
Spitze  steht  Java,  an  dieses  reihen  sich  Sumatra,  Celebes  und  Bali.  Weniger  bedeutend ­
  ist  der  Kaffeebau  auf  den  Philippinen;  auf  Ceylon  ist  er  durch  die  Hemileia
vastatrix  fast  vernichtet,  und  auch  in  Britisch-Indien  ist  ein  Rückgang  bemerkbar.
Dagegen  sind  die  Mengen,  welche  von  dem  bei  den  Orientalen  so  hoch  geschätzten
Mokkakaffee,  sowie  aus  dem  Arabien  benachbarten  Teile  Afrikas  in  den  .Handel  kommen,
*)  Der  Herr  Verfasser  hat  dem  Herausgeber  den  Text  in  der  Fassung  der  demnächst
erscheinenden  5.  Auflage  freundlichst  überlassen.  —  <S.  M.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.