Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

11.  Friedrich  Alfred  Krupp.

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an  erfinderischen  Gedanken.  Dabei  hat  er  aber  immer  das  Verdienst  gebührend  belohnt
und  die  Tätigkeit  seiner  Ingenieure  anerkannt.  Trug  den  Namen  Krupp  auch  die
eine  oder  andere  Erfindung,  welche  in  dem  Kopfe  eines  seiner  Mitarbeiter  entsprungen
war,  oder  deren  Ausführung  erst  durch  seine  Techniker  praktisch  ermöglicht  wurde,  er
selbst  hat  es  immer  bescheidentlich  hervorgehoben,  daß  es  nur  die  vereinten  Kräfte  waren,
denen  die  Fabrik  ihre  außerordentlichen  Erfolge  verdankte.

11.  Friedrich  Alfred  Krupp.
Von  Wilhelm  Beumer.
Beumer,  Gedächtnisrede  auf  Friedrich  Alfred  Krupp  am  \5.  Dezember  1902.  In:  Mitteilungen ­
  des  Vereins  zur  Währung  der  gemeinsamen  wirtschaftlichen  Interessen  in  Rheinland
und  Westfalen.  Redigiert  von  Beumer.  Düsseldorf,  Druck  von  August  Bagel,  $03.  5.  H  ff.
Selten  ist  ein  Mann  bezüglich  seiner  persönlichen  Betätigung  in  geschäftlichen
Dingen  so  falsch  beurteilt  worden,  wie  Friedrich  Alfred  Krupp.
„Krupp  arbeitet  ja  überhaupt  nicht,  er  kümmert  sich  gar  nicht  um  sein  Geschäft,
er  überläßt  alles  seinem  Direktorium"  —  das  wurde  in  Kreisen,  die  gar  keinen  Einblick
in  die  Verhältnisse  hatten  und  nicht  haben  konnten,  so  lange  von  einem  zum  andern
geraunt  und  gewispert,  bis  die  sogenannte  öffentliche  Meinung  darüber  feststand,  die
bei  manchem  vielleicht  —  freilich  zu  spät  —  nur  dadurch  eine  Korrektur  fand,  daß
angesichts  des  offenen  Grabes  eine  schamlose  Presse  die  groteske  Übertreibung  beging,
zu  behaupten,  Krupp  habe  für  sein  Geschäft  eine  geringere  Bedeutung  gehabt  als  der
jüngste  Lehrling  seiner  Fabrik.  Das  Gegenteil  jener  Ansichten  ist  wahr.  Wenn  jemals
ein  Mann  nach  dem  Worte  des  Dichters  gehandelt  hat:
„Was  du  ererbt  von  deinen  Vätern  hast,
Erwirb  es,  um  es  zu  besitzen!"
so  ist  es  Friedrich  Alfred  Krupp  gewesen.  Man  machte  sich  auch  ihm  gegenüber  des
Widersinnes  schuldig,  daß  man  die  Söhne  großer  Väter  Zwerge  heißen  zu  dürfen
vermeint,  weil  sie  keine  Riesen  sind.
Friedrich  Alfred  Krupp  war  ein  durchaus  selbständiger  und  weitblickender  Geschäftsmann. ­
  War  es  denn  nicht  schon  ein  Verdienst,  daß  er  das  väterliche  Erbe  übernahm,
um  selbst  in  ihm  tättg  zu  sein,  während  er  sich  doch  schon  unter  Berufung  auf  seine
Gesundheit  gänzlich  von  den  Geschäften  hätte  fernhalten  können?  Oder  war  es  nicht
auch  schon  ein  Verdienst,  daß  er  die  richtigen  Männer  als  seine  Mitarbeiter  zu  finden
und  an  das  ftnternchmen  zu  fesseln  wußte?  Lat  es  den  Ruhm  Wilhelms  I.  verkleinert, ­
  daß  er  mit  Lilfe  Bismarcks,  Moltkes  und  Roons  das  Deutsche  Reich  gegründet ­
  hat?
Wie  stand  es  aber  in  Wirklichkeit  um  Krupps  geschäftliche  Betäügung?  Ich
berufe  mich  dafür  auf  das  Zeugnis  aller  der  Männer,  die  mit  ihm  und  unter  ihm
gearbeitet  haben,  um  feststellen  zu  können,  daß  keine  irgendwie  grundlegende  und  bedeutende ­
  Frage  bezüglich  seiner  Firma  erledigt  wurde,  ohne  daß  sie  seiner  endgülttgen
Entscheidung  unterbreitet  worden  wäre.  Daß  dies  aber  bei  einem  solchen  Riesenunternehmen ­
  allein  schon  eine  Lebensarbeit  darstellt,  können  nur  diejenigen  leugnen,  die
von  diesen  Dingen  überhaupt  keine  Ahnung  haben.
So  machte  ihn  mit  vollem  Rechte  am  21.  Mai  1901  die  Technische  Lochschule
in  Aachen  zum  Ehrendottor-Ingenieur  und  begründete  dies  damit,  daß  es  ihr  „zu  hoher
            
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