Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

26  Erster  Teil.  Deutsche  Volkswirte,  Kaufleute  und  Industrielle.

Befriedigung  gereiche,  diese  Auszeichnung  einem  Manne  verleihen  zu  können,  der  in
seiner  vielseitigen  Tätigkeit  ein  außergewöhnliches  Können  in  wissenschaftlicher  und
praktischer  Richtung  bekundet  hat,  und  der  zum  leuchtenden  Vorbild  geworden  ist  als
Leiter  eines  Werkes,  das  sich  um  die  Entwicklung  und  Äebung  der  deutschen  Industrie,
der  Landesverteidigung  und  der  sozialen  Fürsorge  für  seine  Mitarbeiter  in  geistiger
und  materieller  Beziehung  hervorragende  Verdienste  erworben  hat".
And  als  die  Abgeordneten  der  genannten  Lochschule  dem  also  Geehrten  das
Diplom  überbrachten  und  er  es  ebenso  wie  das  ihm  am  20.  Januar  1894  durch  die
Lerren  Geheimrat  Karl  Lueg  und  Ingenieur  Schrödter  überreichte  Diplom  eines  Ehrenmitgliedes ­
  des  „Vereins  deutscher  Eisenhüttenleute"  mit  der  ihm  eigenen  Bescheidenheit
nur  unter  dem  Linweise  darauf  annahm,  daß  er  es  als  eine  Anerkennung  seiner  treuen
Mitarbeiter  ansehen  müsse,  da  hatten  sie  während  ihres  längeren  Besuches  in  Essen
ausreichende  Gelegenheit,  nicht  nur  die  hervorragenden  Leistungen  der  Mitarbeiter  der
Firma  Krupp  zu  bewundern;  auch  nicht  allein  die  bekannte  Meisterschaft  Krupps  in
der  wohlwollendsten,  in  einzelnen  Fällen  bis  zu  persönlicher  Freundschaft  gesteigerten
Fürsorge  auch  für  den  geringsten  seiner  Arbeiter  wieder  und  wieder  anzuerkennen,  —
sie  fanden  auch  in  musterhaft  angeordneten  Sammlungen  „auf  dem  Lüge!"  weniger
allgemein  bekannte,  doch  wissenschaftlich  hochinteressante  Ergebnisse  persönlicher  Forschungen
des  vielbeschäftigten  Leiters  der  großen  Firma,  Forschungen,  welche  er  während  seiner
Erholungsreisen  auf  den  Gebieten  der  Zoologie,  der  Paläontologie  und  der  Geologie
betrieb,  so  daß  der  Text  des  Ehrendoktor-Diploms  nach  keiner  Seite  hin  irgendwelche
Übertreibung  enthält.  Wie  ferner  das  Ausland  die  wissenschaftliche  Betätigung
F.  A.  Krupps  anerkannte,  wird  u.  a.  durch  die  Verleihung  der  Bessemer-Medaille  des
Iron  and  Steel  Institute  bewiesen.  And  so  darf  hier  festgestellt  werden,  daß  durch
Friedrich  Alfred  Krupps  Arbeit  und  durch  die  Tätigkeit  der  Männer,  die  er  zur  Mitarbeit ­
  berief,  das  väterliche  Werk  zu  dem  Riesenumfange  gewachsen  ist,  den  es  heute
aufweist.  Ich  will  in  unserm  heutigen  Kreise  hierauf  nicht  näher  eingehen:  das  hat
noch  jüngst  vor  unser  aller  Augen  gelegen,  als  in  der  Düsseldorfer  Ausstellung  ein
Einblick  in  die  Leistungsfähigkeit  des  Werkes  nach  der  technischen  Seite  ebenso  gegeben
war  wie  in  seine  Absatzbeziehungen  zur  ganzen  Welt  und  nicht  in  letzter  Linie  in  seine
außerordentlich  umfassende  und  nachahmenswerte  Tätigkeit  auf  dem  Gebiete  sozialer
Fürsorge  für  Arbeiter  und  Beamte.  Dieser  Einblick  zeigte  uns,  daß  Friedrich  Alfred
Krupp  im  laufenden  Jahre  43  083  Beamte  und  Arbeiter  beschäftigte,  und  daß  die
Gesamtzahl  der  Werksangehörigen  einschließlich  der  Frauen  und  Kinder  147645  betrug,
mit  anderen  Worten,  daß  seit  1887  unter  seiner  Leitung  die  Zahl  der  Beamten  und
Arbeiter  um  rund  22000  zugenommen  hat.  Welche  Entwicklung  auch  nach  der  technischen ­
  Seite  hin  durch  diese  Ziffern  bewiesen  wird,  brauche  ich  in  unserm  Kreise  nicht
darzulegen.  Die  Einbeziehung  von  Kohlenzechen,  die  Aufnahme  der  Panzerplattenfabrikation,
  der  Ankauf  des  Grusonwerkes  und  die  Errichtung  von  Panzerständen,  der
Erwerb  der  Germaniawerft  zwecks  Lerstellung  von  Schiffbautcn  und  die  Anlage  des
großen  Lütten-  und  Walzwerkes  in  Rheinhausen  bezeichnen  nur  die  Lauptpunkte  in
dieser  interessanten  Entwicklungsreihe.
Auf  sozialem  Gebiete  aber  künden  5500  Familienwohnungen  mit  26700  Einwohnern, ­
  künden  der  Altenhof,  die  Junggesellenheimc,  die  Beamtenkasinos,  die  unzähligen ­
  Versorgungskassen,  die  Kirchen  und  Schulen,  der  Konsumverein,  die  Kochlehranstalten ­
  und  die  Kinderkrippen  weithin  den  Ruhn:  des  Verewigten,  der  in  dieser
Tätigkeit  von  seiner  trefflichen,  gütigen  und  verständigen  Gattin  Margarete  in  hohem
Maße  unterstützt  wurde,  die  wie  ihr  Mann  und  dessen  Vater  die  Achtung  vor  kleinen
Läufern  teilt,  und  die  deshalb  namentlich  auch  in  den  Kreisen  der  Arbeiterfrauen  eine  große
und  berechtigte  Liebe  und  Verehrung  genießt.  Sagte  mir  doch  eine  Arbeiterfrau,  die
ich  anläßlich  der  Anwesenheit  unserer  Kaiserin  in  einer  der  Kruppschen  Kolonien  nach
            
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