Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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und falöclicr Malerei einer gewissen Art von Empfindungen 
hin. Diese widerwärtige Virtuosität, die einem Maltlius indi 
viduell, mehr als ihm von Borufswegen zukam, eigen gewesen 
ist, fand sich selbstverständlich mit einer zur zweiten Natui; 
goLrdenon Hypokrisio vereinigt. Die Schleichwendungen, die 
noch nicht einmal den Namen von Sophismen verdienen, müssen 
dem mit schärferer Aufmerksamkeit folgenden Leser überall 
da entgegentreten, wo es sich überhaupt um eine Art Gedanken- 
veidcettungr luad iiicht Iblos iim gedanlœnleerQ IBeschrtnbungen 
handelt. ,• • 
Der Hauptgrund, den Malthus geltend macht, um die 1 reis- 
oebung der Hülfs- oder Arbeitslosen zu rechtfertigen, ist die 
Berufung auf die angebliche Unmöglichkeit, die nicht künstlich 
cingedämmtc Bevölkerung wirklich zu ernähren. Es ist dieser 
Grund das einzig Vorstandesmässige, was übrig bleibt, wenn 
man die theologischen Bestandtheile entfernt. Nun hat aber 
unser Entvölkerungslehrer ganz ausser Acht gelassen, dass, 
selbst wenn seine Idee von der Vermehrungstendenz richtig 
wäre, aus derselben noch nicht im Mindesten folgen würde, 
dass sich die Natur mit ihrem mächtigen Gesetz einer Malthus- 
schen Kanzelvermahnung und den kurzsichtigen Wünschen zu 
unterwerfen hätte, die etwa ein Theil der höheren Gesellschafts- 
ciassen in falschem Anschluss an den priesterliehen Advocaten 
hegen möchte. Von seinem ¡Standpunkt aus hätte sich Malthus, 
wenn er überhau%it eines freien Gedankens fähig gewesen wäie, 
sagen müssen, dass diejenigen, welche den todbringenden Exe- 
cutionsmitteln der Natur entgegengehen, nichts zu verlieren 
haben, wenn sie, anstatt das Schicksal duldend über sich er 
gehen zu lassen, sich eine Bahn zu brechen suchen und, wenn 
es sein muss, die Procedur durch einen activen Kampf um das 
Dasein heroisch abkürzen. Allein so etwas wäre für den klein 
lichen und beschränkten Privatmoralisirer, der von den grossen 
Zügen der Natur und des Lebens so gut wie nichts begriffen 
hatte, eine unnahbare Idee gewesen. Er hätte vor derselben 
noch mehr zusaminenschrumpfen müssen, und in der That- hat 
er sich auch stets zu absonderlichen Verschlingungen und zur 
Pormiruug eines höchst eigenthümlichen Knäuels genöthigt ge 
sehen, wenn er es auch nur mit den schwächsten Hervor brin- 
gungen der gegnerischen Denkweise und namentlich der socialen 
Vorstellungen zu thun hatte.
	        
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