Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3,  Deutsches  Verkehrswesen  im  Mittelalter.

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Lersbrück—Nürnberg.  Außerdem  war,  wie  nochmals  hervorzuheben,  eine  große  Anzahl
von  Fahrwegen  verschiedener  Art  vorhanden,  welche  zum  Teil  zeitweise  eine  größere
Bedeutung  erlangten  als  die  hier  mit  ihren  geographisch  belangreicheren  Stationen
genannten.  Zudem  ist  noch  die  gleichfalls  schon  angedeutete  Ausdehnung  der  Binnenschiffahrt ­
  des  Mittelalters  zu  erwähnen.  Sodann  kommt  die  große  Mainz-Leipziger
Route  nach  Schlesien  in  Betracht.  Ihren  Verlauf  bezeichnen  wir  mit  Höchst,  Frankfurt,
Schlüchtern,  Fulda,  Vacha  a.  d.  Werra,  Salzungen,  Eisenach,  Gotha,  Erfurt,  Eckartsberga, ­
  Naumburg,  Leipzig,  Oschatz,  Boriz  (oberhalb  Riesa),  Großenhain,  Kamenz,
Bautzen,  Görlitz.  Endlich  hatte  noch  die  Verbindung  Kölns  mit  dem  Gebiet  der
Mittelelbe  vielfache  Wichtigkeit.  Sic  vollzog  sich  am  kräftigsten  über  Altena,  Iserlohn,
Soest,  Lippstadt,  Paderborn,  Höxter,  Eimbcck,  Gandersheim,  Wolfenbüttel.
Im  Tiefland  kam  man  allmählich  dem  Transportbedürfnissc  auch  durch  Kanalbau
nach.  Lüneburg  verband  im  14.  Jahrhundert  durch  eine  solche  Wassersttaße  die
Ilmenau  nordöstlich  mit  der  Elbe.  Spätestens  um  die  gleiche  Zeit  wurde  auch  die  bei
Lauenburg  mündende  Delvenau  vertieft  und  durch  einen  Kanal  mit  dem  Travenebenfluß
Steckenitz  verbunden.  (Z.  B.  führten  1398  direkt  von  Lüneburg  30  Schiffe  Salz  und
Kalk  nach  Lübeck).  Auch  die  Verbindung  zwischen  der  Elbe  und  dem  Schweriner  See
und  von  diesem  bis  Wismar  wurde  damals  hergestellt,  allerdings  aber  schon  gegen
Ende  des  16.  Jahrhunderts  dem  Verfalle  überlassen.  Auf  den  Flüssen  aber  begann
meist  weit  oben  die  Schiffahrt.  Z.  B.  berichtet  Einhard,  daß  Karl  der  Große  von
Ansbach  (St.  Gumbert)  zu  Schiff  nach  Würzburg  (St.  Kilian)  gefahren  fei:  gewiß
also  nicht  vielleicht  in  einem  Fischernachen,  denn  es  geschah  offenbar  mit  dem  nöügcn
Gefolge  die  fränkische  Rezat  hinab  und  weiter.  Auch  sein  Projekt,  die  heute  so
wichtige  schwäbische  Rezat  als  Fortsetzung  seines  Altmühl-Rednihkanals  zu  behandeln,
zeugt  von  einem  weit  größeren  Wasserreichtum  der  Flüffe  jener  Zeiten.  Gewässer  wie
die  Sieg  und  die  Fulda  waren  in  dem  größeren  Teil  ihres  Laufes  befahren.  Auch
in  Bergfahrt  ward  bei  der  Billigkeit  der  Zugkräfte  so  manche  Stromstrecke  benützt,  die
heute,  abgesehen  von  der  Fahrtiefe,  auch  für  Dampfer  nicht  in  Bettacht  kommen  kann:
beladene  Fahrzeuge  drängte  man  z.  B.  den  Inn  bis  Innsbruck  hinauf,  obwohl
20  Ochsen  als  Anspann  nötig  waren.
Allein  man  kann  auch  mit  einer  ausgedehnteren  Exemplifikation  in  dieser  Beziehung
doch  in  der  ganzen  damaligen  Schiffahrt,  einzelne  längere  Strecken  der  Elbe,  kürzere
Abschnitte  der  Oder,  der  Donau  und  Weichsel  und  der  größten  Nebenflüsse  dieser
Hauptströme  ausgenommen,  kein  Mittel  für  zeitliche  Entfernungskürzung  erkennen,
sobald  man  Distanzen  von  mindestens  15—20  Meilen  in  Rechnung  bringt.  Denn
man  wird  immer  festhalten  müssen,  daß  man  auf  Nachtfahrt  verzichtete,  daß  besonders
wegen  Strombettveränderungen  oder  entwurzelter  Bäume  damals  der  LIntiefen  weit
mehr  waren  als  heute,  daß  Zollstätten  vielfach  aufhielten,  daß  Jnundationen  über
versumpfte  Aferstrecken  bei  Lochwasser  und  nach  dessen  Ablauf  in  ausgedehnter  Weise
das  Treffen  oder  Festhalten  der  Fahrrinne  erschwerten  usw.  Dies  alles  freilich  tat  der
quantitativen  Benützung  wenig  Eintrag.
Die  Flußschiffe  entsprachen  selbstverständlich  dem  sehr  verschiedenen  Bedürfnisse,
waren  aber  ihrer  Gestalt  nach,  wenn  man  nach  einzelnen  Abbildungen  oder  nach  den
seit  so  und  so  viel  Jahrhunderten  anerkannt  noch  heute  in  Gebrauch  stehenden  Stromkähnen ­
  des  Nordostens  Deutschlands  schließen  darf,  ziemlich  plump  und  von  roher
Arbeit,  also  leichter  dem  Auflaufen  ausgesetzt,  allerdings  auch  Erschütterungen  mehr
gewachsen.
Zu  Lande  aber  war  der  vierrädrige,  unbedeckte  Fuhrwagen  immer  mehr  in
Übung  gekommen.  Auch  die  Personenwägen  entbehrten  aller  schützenden  Bedeckung.
Der  Aufsatz  auf  den  Achsen  wechselte  je  nach  dem  Herkommen  der  Landschaft.  Doch
war  die  Verwendung  eines  länglichen  offenen  Kastens  offenbar  sehr  verbreitet,  wodurch
            
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