Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

412  Fünfter  Teil.  Verkehrswesen.  I.  Zur  Geschichte  des  Verkehrswesens.
dein  wurde  der  Gebrauch  des  Briefumschlages  allgemein,  und  der  gummierte  Rand
desselben  ersetzte  auch  Oblate  und  Siegellack.  Nun  verfeinerte  sich  auch  das  Material
für  das  Briefschreiben.  Einige  Zeit  hindurch  galt  es  schon  für  fein,  wenn  man  auf
einem  Briefbogen  schrieb,  auf  welchem  oben  am  Rande  das  Wort  Balh  eingepreßt
war.  Leute  schreiben  elegante  Damen  nur  noch  auf  Briefbogen,  die  ihren  schön
geschlungenen  Namcnszug  führen,  und  durchduften  dieselben  mit  aromatischen  Gerüchen,
so  daß  der  Empfänger  sofort  in  einen  süßen  Rausch  versetzt  wird.
Der  Warenverkehr  wurde  früher  —  abgesehen  von  dem  Transport  zu  Wasser,
welcher  ja  im  Binnenlande  nur  eine  beschränkte  Anwendung  findet,  —  durch  Frachtwagen ­
  vermittelt,  deren  mehrere  in  der  Regel  zusammen  reisten.  Es  waren  große,
hochaufgestapelte  Wagen,  mit  weißem  Linnen  überdeckt,  unter  welchem  die  Frachtgüter
in  Stroh  verpackt  lagen,  mit  vier  oder  mehr  mächtigen  Rossen  bespannt,  die  meist  ein
Geläute  anr  Lasse  trugen.  Nebenher  schritt  in  blauem  Kittel  der  Fuhrmann  und
schwang  die  gewaltige  Peitsche.  Läufig  war  sein  Begleiter  der  Spitz,  welcher  nachts
im  Schiffe  unter  dem  Wagen  lag  und  Wache  hielt.  Schon,  früh  am  Morgen  wurde
aufgebrochen.  Tagesübcr  wurden  sechs  bis  acht  Wegstunden  zurückgelegt.  An  steilen
Stellen  der  Landstraße  mußte  Vorspann  genommen  werden,  der  in  dem  nächsten  Dorfe
stets  bereisstand.  Außerdein  gab  es  auch  noch  kleine  einspännige  Frachtwagen  mit
zwei  Rädern,  die  in  langen  Karawanen  auf  der  Straße  cinherzogen.  Aber  was  waren
alle  diese  Wagen  gegen  die  endlosen  Güterzüge,  welche  heute  unsere  Eisenbahnen  beleben?

5.  Der  Kampf  der  Verkehrsmittel  im  Stromgebiete
des  Rheins.
Von  Christian  Eckert.
Eckert,  Rheinschiffahrt  im  XIX.  Jahrhundert.  Leipzig,  Dnncker  &  ßumtilot,  \<)oo.
S.  2%~294  UIld  5.  568  —  370.
Das  Verhältnis  der  Rheinschiffahrt  zu  den  ihr  parallel  laufenden  Eisenbahnen
ivar  von  Anfairg  an  wechselnd  und  nach  Strecken  verschieden  gestaltet.  Bald  machte
sich  nach  dem  Ausbau  der  Bahnen  deren  starke  Konkurrenzfähigkeit  geltend,  bald
wieder  schien  es,  als  ob  die  Bahnverwaltungen  mit  den  Schiffahrtsgesellschaften  die
gleichen  Interessen  verfolgten  und  fick  in  Bewältigring  der  Verkehrsansprüche  nach  festgestelltem ­
  Plane  teilen  könnten.  Beispielsweise  bemühte  sich  die  Dampfschiffahrtsunternehmuitg
  für  den  Nieder-  und  Mittelrhein,  weit  entfernt,  in  feindseligen  Kampf
mit  den  konkurrierenden  Eisenbahnen  zu  treten,  von  vornherein  ein  freundschaftliches
Verhältnis  mit  deren  Leiten:  anzuknüpfen,  um  so  „durch  wohlkombinierten  Anschluß
an  die  Bahnzüge  den  durch  die  Konkurrenz  erzeugten  Nachteil  nicht  allein  auszugleichen,
sondern  zu  überbieten."  Sie  hoffte  durch  die  seit  dem  1.  Juli  1844  vollzogene  Ausdehnung ­
  ihres  Fahrtenbetriebcs  bis  Mannheim  daselbst  eine  Verbindung  mit  der  zum
Teil  fertigen,  zum  Teil  noch  im  Werk  begriffenen  badischen  Eisenbahn  zu  gewinnen
und  so  die  „Rückwirkungen  möglichst  zu  paralysieren,  die  von  der  bedauerlichen  Störung
ihrer  Verbindung  mit  dem  Oberrhein  durch  die  Liquidation  der  Adler-Gesellschaft
sowohl  in  materieller  als  moralischer  Beziehung  zu  erwarten  standen."  Die  durch  die
freundlichen  Beziehungen  geschaffenen  Verkehrsanschlüsse  wurden  bald  durch  förmlichen
Vertrag  gesichert,  den  die  Großherzoglich  badische  Eisenbahnverwaltung  mit  dem  Vorstand
der  genannten  Dampfschiffahrtsunternehmung  1845  schloß.  Auch  in  den  nächsten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.