1. Die Römische Reichspost.
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Wie sehr das Zusammengehen der Schiffahrt mit den Eisenbahnen ersprießlich
wirkt, zeigt die Geschichte von Mannheim und Mainz im 19. Jahrhundert. Mannheim
ist groß geworden mit Lilfe der badischen Bahnen. Letztere gewährten unter
Berücksichtigung der Schwierigkeiten, die der Strom oberhalb Mannheims den Fahrten
bereitet, bei Zu- und Abgängen nach diesem Platz Tarifreduktionen, welche es der
Stadt ermöglichten, ihre Stellung den deutschen Seehäfen gegenüber aufrecht zu erhalten
in einer der Entwicklung ihres Verkehrs förderlichen Weise, woraus sie wieder nach
den Amladungen direkten Nutzen zogen. Anders lagen die Verhältnisse in Mainz.
Die hessische Ludwigsbahn, der es zum Knotenpunkt diente, war eingeklemmt von
Staatsbahnen und nicht stark genug, ihrer Zentrale die Vorteile zu bieten, welche
Mannheim bereitwilligst erhielt. Die Waren wurden durch den Konkurrenzkampf der
verschiedenen Verkehrsmittel statt in den Mainzer Äafen um diesen herum geführt.
Erst seit Verstaatlichung der hessischen Bahnen unter Angliederung an das preußische
Eisenbahnnetz haben sich diese Verhältnisse entschieden gebessert.
II. Postwesen?)
1. Die Römische Reichspost.
Von Karl Rodbertus.
Rodbertus, Kommnnikationsnnttel im klassischen Altertum. Zn: Briefe und sozial
politische Aufsätze, herausgegeben von Meyer. 2. Bd. Berlin, Adolf Klein, st882j. 5. 5^—5(7.
Die Römische Reichspost, der sog. cur8us pudlicu8, wurde von Augustus ein
gerichtet. Ein, wenngleich unvollkommenes Vorbild dazu bot ihm die altpersischc
Monarchie, die ein nicht minder umfangreiches Ländergebiet unter einer Zentralregierung
vereinigte, st'enophon, Äerodot und andere griechische Schriftsteller haben diese ihnen
ganz fremde Einrichtung mit Bewunderung beschrieben. Diese Einrichtung, die für
große Despotien unentbehrlich war, hat sich im Orient auch in späteren Zeiten erhalten;
in Griechenland hat sie natürlich nie existiert, da die Kleinheit der einzelnen Kantone,
ihre poliüsche Zerrissenheit und die Natur des Landes, in dem inan am leichtesten zur
See kommunizierte, den Gedanken dazu nie aufkommen ließ. Auch die römische
Republik hat das Bedürfnis nicht empfunden, dem Begründer der Monarchie stellte
es sich dagegen als ein unabweisliches dar. Die Hauptzwecke der von ihm ins Leben
gerufenen, von den späteren Kaisern, namentlich von Trajan wcitergebildeten und ver
vollkommneten Reichspost faßt der byzantinische Geschichtsschreiber Prokop folgender
maßen zusammen: „Die römischen Kaiser haben diese Einrichtung in der Absicht
getroffen, daß alles ihnen aufs schleunigste und ohne Verzögerung gemeldet würde,
sowohl was in jedem feindlichen Lande sich ereignete, als auch was sich in den Städten
des Reiches zutrüge, sei es ein Aufruhr oder eine andere unvorhergesehene Begebenheit,
desgleichen was die Statthalter, die Beamten und alle übrigen Einwohner in allen
Teilen des römischen Reiches unternehmen, endlich damit die Sendung der jährlichen
Tribute ohne Aufenthalt und Gefährdung vollendet würde." So erst wurde Rom in
der Tat der Mittelpunkt der Alten Welt, von dem aus man, wie von einer die Ebene
*) Dgl. auch Otto Bahr, Das Derkehrsivesen in Deutschland vor 70 Zähren. 5. ^(o
bis <U2. — G. in.