Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Fünfter Teil. Verkehrswesen. II. Postwcsen. 
2. Zur Geschichte des Kölner Postwesens. 
Von Alexander Wirminghaus. 
wirminghaus, Das Verkehrswesen im Gebiete der Stadt Köln. Köln, Druck von 
M. Dumont-Schauberg, *903. S. 59—63. 
Köln hat als eine der ältesten Kulturstätten des Landes von jeher am Postwesen 
einen bedeutenden Anteil genommen. Indem Köln als römische Kolonie einen Knoten 
punkt derjenigen großen Straßenzüge bildete, die in damaliger Zeit den besonderen 
Zwecken der Militär- und Staatsverwaltung ihre Entstehung verdankten, ergab sich 
hieraus von selbst die Wichtigkeit des Ortes für das Römische Staatspostwesen, dem 
ja jene Straßenanlagcn besonders zugute kamen. Eine postalische Einrichtung im 
modernen Sinne war dieser, übrigens wohlgeordnete und das ganze große Reich um 
fassende römische „cursu8 publicus“ freilich schon insofern nicht, als er lediglich den 
Zwecken der Verwaltung diente und die Untertanen von seinen Vorteilen ausschloß, 
ihnen vielfach sogar durch harte Fron- und Spanndienste äußerst lästig fiel. Anders 
geartet war das Nachrichtenwesen des Mittelalters, wo die bedeutenderen deutschen Städte 
eigene reisende Boten unterhielten, die zunächst für die Dienste des Rates bestinnnt 
waren, daneben aber auch den Kaufleuten und Privaten gegen Entgelt zur Verfügung 
standen. Ihre politische Selbständigkeit gestattete es den Städten, in gegenseitiger Ver 
bindung diese Einrichtung planmäßig auszubilden, und so finden wir auch in Köln 
schon seit dem 13. Jahrhundert ein solches Stadtbotenamt, dessen Aufgaben durch eine 
besondere Botenordnung geregelt waren. 
Einen erheblichen Fortschritt gegenüber dieser Organisation des Nachrichtenvcrkehrs, 
die bei der damaligen politischen Zersplitterung sehr mangelhaft bleiben mußte, bedeutet 
das Aufkommen der Taxisschen Posten seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts, durch 
welche das Postwesen, soweit es mit kaiserlichem Privileg in die Lande dieser Familie 
gelangte, zentralisiert und neben dem amtlichen auch der Privatverkehr auf eine um 
fassendere, internationale Grundlage gestellt wurde. Das Taxissche Postwesen faßte in 
Köln zuerst im Jahre 1577 festen Fuß, wo Johann Menzinger, Offizial des Kaiserlichen 
Postamtes zu Augsburg, von dem dortigen Postmeister Seraphin von Taxis als Post 
verwalter in Köln eingesetzt wurde. Sein Nachfolger war Jakob Lenot, der zunächst 
von 1578—1603 dieses Amt bekleidete, allerdings mit Anterbrechungen und nicht 
dauernd in Taxisschen Diensten, denen er sich vielmehr dadurch entzog, daß er im Jahre 
1586 mit Genehmigung des Kaisers Rudolf II. die Stellung als „Kaiserlicher Post 
meister" annahm. Als solcher wurde er auch vom städtischen Rate anerkannt, während 
ihm von Taxisscher Seite zeitweise ein Johann Baptist Bosco entgegengesetzt wurde. 
Als im Jahre 1595 die Taxisschen Posten als Reichsinstitution anerkannt worden 
waren, brachte es der gewandte Lenot dahin, auch mit den Taxis wieder ins Ein 
vernehmen zu kommen, wurde jedoch 1603 seines Amtes enthoben. Auf ihn folgte 
als von Taxis bestellter Kölner Postverwalter Johann von Coesfeld, der sich nunmehr 
auch Kaiserlicher Postmeister nennen durste. Im Jahre 1623 gelang es dann wieder 
den energischen Bemühungen Lenots, durch kaiserlichen Entscheid die Zurücknahme 
seiner Amtsentsetzung herbeizuführen. Aber auch Coesfeld wich nicht, er blieb bis zu 
Lenots Tode (1626) als Gegenpostmeister tätig, um dann von neuem als Postmeister 
bestätigt zu werden. Diese Streitigkeiten der Postverwalter untereinander sowie ihr beider 
seitiger unermüdlicher Kampf nicht nur gegen die „Metzger- und dergleichen ein 
geschlichene Nebenposten und Botenwerk"*), sondern auch gegen die noch bestehende 
*) Die Metzger, welche durch ihren Geschäftsbetrieb zu regelmäßigen weiteren Reisen mit 
Pferd und Magen veranlaßt wurden, ließen sich bekanntlich in jener Zeit zur Beförderung von 
Briefen und sonstigen Sachen gerne in Anspruch nehmen.
	        
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