Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

2.  Staats--  oder  Privatbahnsystem?

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New  Port  brennt  die  Steinkohlen  von  New  Castle;  die  ältesten  Läufer  von
Albany  sind  mit  holländischen  Backsteinen  erbaut;  der  Philadelphier  läßt  sich  zuweilen
die  im  niedersächsischen  Sande  gewachsene  Kartoffel  wohlschmccken;  in  Savannah
erheben  sich  Gebäude  und  Denkmäler  von  Steinen,  die  an  der  nördlichen  Grenze  von
Neu--England  gebrochen  worden  sind;  der  Müller  in  Pennsylvanien  mahlt  mit  Steinen,
die  über  3000  Meilen  weit  Herkommen;  in  England  ißt  man  Äpfel  aus  der  Jersey,
und  während  ich  dieses  schreibe,  lösche  ich  den  Durst  mit  italienischen  Limonen,  die
mich  wahrscheinlich  nicht  so  hoch  kommen  als  Sie  die  Ihrigen,  obschon  Sie  dem  Platz,
wo  sie  gewachsen,  ungefähr  3000  Meilen  näher  sind  als  ich.  Äuch  trinke  ich  wohlfeileren ­
  Bordeaux  als  Sie.
Nun  bedenke  man,  wie  unermeßlich  die  Produktionskräfte  von  ganz  Deutschland
gesteigert  würden,  wenn  eine  der  Seefracht  an  Wohlfeilheit  und  Schnelligkeit  gleichkommende ­
  Landfracht  stattfände.  Alle  mittel-  und  norddeutschen  Länder  würden  sich  an
einen  regelmäßigen  Genuß  der  ordinären  Rhein-  und  Frankenweine  gewöhnen;  es
würde  mehr  Wein  in  der  Traube  dahin  geführt  als  jetzt  im  Faß  oder  in  der  Bouteille.
Essen  wir  doch  hier  Trauben  aus  Spanien  und  Portugal  zu  billigen  Preisen.
Regensburger  Bier  käme  in  Lamburg  nicht  teurer  zu  stehen  als  gegenwärtig  in
Nürnberg.  .Hamburg  und  Bremen  würden  bayerisches  Brod  effen,  die  Feinschmecker
in  München  frische  Austern  und  Seekrebse.  Wie  würden  nur  allein  die  Fischereien
jener  Seeplätze  sich  heben,  wenn  aller  Tran,  alle  gesalzenen  und  getrockneten  Fische,
die  jetzt  von  Lolland  den  Rhein  heraufkommen,  von  dort  bezogen  würden.  Vermittelst
Eisenbahnen  könnte  die  lothringische  und  rheinprenßische  Steinkohle  und  das  Lolz  aus
den  Gebirgen  so  wohlfeil  ins  Rheintal  geschafft  werden,  daß  man  nicht  mehr  nöüg
hätte,  einen  bedeutenden  Teil  des  besten  Bodens  zur  Lolzpsianzung  zu  verwenden.
Der  Larz,  das  Fichtelgebirge,  das  Erz-  und  Riesengebirge  würden  ihre  Erzeugnisse
nach  allen  Gegenden  aufs  wohlfeilste  versenden  und  die  Getränke  und  Getreidefrüchtc
der  fruchtbaren  Gegenden  entgegennehmen.
Bei  einer  Fracht,  die  gestatten  würde,  Quadersteine  hundert  Stunden  weit  zu
verführen,  könnte  dem  entferntesten  Dorf  in  Bayern  der  Donautorf  zu  den  wohlfeilsten
Preisen  zugeführt  werden.  Aus  den  entferntesten  Waldungen  könnte  eine  Klafter
Lolz  nach  den  großen  Städten  für  2—3  fl.  gebracht  werden.  Man  vergleiche  nur
die  Lolzpreise  längs  des  Mains.  Im  Obermainkreis,  wo  das  Lolz  am  wohlfeilsten  ist,
werden  die  Preise  nicht  über  3  fl.  stehen,  bei  Würzburg  wohl  nicht  unter  15  fl.  Das
beliebte  Lolzflößen  vernichtet  auch  dort  die  Lälfte  der  Brennkraft  unbedenklich,  nachdem
die  Staatssorgfalt  den  lieben  wilden  Wald  (wie  Rotteck  dieses  undankbare  Staatspflegekind ­
  nennt)  fünfzig  lange  Jahre  hindurch  gehegt,  gepflegt  und  so  wohlbedachtsam
als  kunstgerecht  niedergeschlagen  hat.

2.  Staats-  oder  Privatbahnsystem?
Von  Emil  Sax.
Sax,  Transport-  und  Rommunikationswesen.  Handbuch  der  politischen  Dkonomie.
Herausgegeben  von  v.  Schönberg.  4.  2lufl.  Bd.  Tübingen,  H.  Laupp.  ;8Y6.  5.  6*9—623.
Die  Gründe,  die  für  und  gegen  das  Staats-  oder  Privatbahttsystem  angeführt
werden  können,  betteffen  die  folgenden  Punkte:
!.  Die  Bildung  des  Bahnnetzes  und  Wahl  der  einzelnen  Linien.
Die  Privatbahnen  leisten  in  dieser  Beziehung  nach  Ansicht  ihrer  Gegner  durchaus
Unbefriedigendes.  Sic  wählen  in  der  Regel,  namentlich  im  Beginne  des  Eisenbahn-
            
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