Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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punkt unserer Geschichte nur erhöhen und uns sicherlich an 
einem beifälligen Urtheil nach keiner Seite hindern. Was uns 
aber wirklich hindert, ist die Thatsache jener sittlichen Ohn 
macht, welche die wohl gelegentlich von Andern beliebte Er 
innerung an den Namen Babeuf zu einem unabsichtlichen Spott 
werden lässt. Die bessern unter den eignen Anhängern und 
unter ihnen Herr B. Becker, der designirtc Nachfolger in der 
Präsidentschaft des Vereins, haben sich über einen g’rosscn 
rheil der auch von uns hervorgehohenen Charaktcrsciten nicht 
getäuscht. Der Mann, den Lassallo selbst des Vertrauens der 
Nachfolge würdig hielt, hat sich in der vorher angeführten 
Schrift stark genug geäussert. „Lassalle”, sagt er, „hatte grosso 
Schwächen und tiefgehende Leidenschaften. Seine mädchen 
hafte Eitelkeit, verknüpft mit dem Umstande, dass er der fade 
sten Schmeichelei zugänglich war; sein bis zum unbeugsamen 
Eigensinn gesteigertes herrisches Wesen, welches sich mitunter 
dem klar vorliegenden Besseren verschloss; seine Genusssucht 
in Beziehung auf Frauen, die ihn Alles vergessen und ihm 
seine Jahresrento von mehr als 5000 Thlr. nicht hinreichend 
erscheinen Hess; endlich sein Haschen nach der Beistimmung 
von Autoritäten, welches sich oft vergriff,” u. s. w. — in der 
That haben wir an diesen Worten irn Zusammenhang einer 
ochrift, die eigentlich zur Verherrlichung dienen sollte, hin 
reichende Fingerzeige für das, was die schärfere Kritik, die 
nicht dem persönlich befreundeten Kreise angehört, zu sagen 
haben würde, wenn cs ihre Aufgabe wäre, in die Falten des 
Lassalleschen Charakters einzudringen. Auch hat eben dieses 
Urtheil in einer anderweitigen, erst 1874 herausgegebenen und 
mit interessanten Mittheilungen aus dem Lassalloschen Agita- 
tionsarchiv ausgestatteton Schrift Bernhard Beckors „Goschiohto 
der Arbeiteragitation F. Lassalles” neue thatsächlicho Erläute- 
1 ungen erfahren, welche überdies die Motive des Agitators noch 
schlimmer zeichnen, als wir es auf Grund der für uns verläss 
lichsten Schlüsse aus seinen Schriften und den allgemein zugäng 
lichen, unbestreitbaren Thatsachon seines Lebens gethan haben. 
Wenden wir uns jedoch jetzt zu seinen theoretischen und socialen 
Anschauungen, die ihres Tages eine Rollo gespielt haben und 
noch erheblich fortwirken. 
8. Lassalle berief sich selbst gern darauf, dass er schon 
in seinem Buch über die erworbenen Rechte (in der langen
	        
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