Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

6.  Die  Hamburg  -  Amerika  -  Linie  und  der  Norddeutsche  Lloyd.

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122  883  Reg.-Tons  Ende  1890
173  985  ..  „  „  1895
192  878  .  „  „  1896
227  082  1897

262  948  Reg.-Tons  Ende  1898
335  238  „  „  ,  1899
423  932  1900
552  361  „  „  „  1901

gestiegen,  wozu  im  letzten  Jahr  noch  31  264  Reg.-Tons  für  andere  Fahrzeuge  und
77  730  Reg.-Tons  im  Bau  befindlicher  Seeschiffe  hinzutreten.  Elf  Schiffe  hatten
einen  Raumgehalt  von  mehr  als  10  000  Reg.-Tons,  das  größte  erhob  sich  auf
16  502  Reg.-Tons  und  erreichte  eine  Geschwindigkeit  von  23,5  Knoten  in  der  Stunde.
Die  Gesellschaft  nimmt  seit  1899  mit  etwa  785  000  Mark  an  der  Postvergütung
teil,  die  der  Norddeutsche  Lloyd  für  die  Einrichtung  des  Ostasien-Dienstes  vom  Reich
bezieht;  sonst  erhält  sie  keinerlei  Staatsunterstühung,  obwohl  auch  ihre  schnellen  Amerika-Fahrer,
  ebenso  wie  die  der  englischen  Unternehmungen,  als  Hilfskreuzer  ausgebaut  sind.
Bremen  hat  den  Ruhm,  die  zweitgrößte  Schiffahrtsgesellschaft  der  Erde  in  sich
zu  bergen,  den  Norddeutschen  Lloyd.  Am  3.  Januar  1857  gegründet,  ist  diese
Gesellschaft  die  erste  gewesen,  die  den  Mut  hatte,  ohne  jede  Staatsuntcrsttihung  einen
ttansozeanischen  Verkehr  von  vornherein  auf  dem  Dampferbettieb  aufzubauen;  die
Hamburg-Amerikanische  Paketfahrt,  die  ebenfalls  keinerlei  Subventionen  bezog  und
schon  ein  Jahr  früher  zum  Dampferbetrieb  übergegangen  war,  hatte  wenigstens  schon
fast  ein  Jahrzehnt  im  Seglerdienst  Erfahrungen  sammeln  und  feste  Kundschaft  erwerben
können,  während  die  ältere  Verbindung  zwischen  New  Vork  und  Bremen,  die  Ocean
Steamship  Navigation  Company,  ihre  Tätigkeit  schon  längere  Zeit  eingestellt  hatte,
als  das  neue  Unternehmen  das  Feld  betrat.  Diese  Initiative  hat  der  Lloyd  auch  in
der  Folgezeit  sich  bewahrt;  er  hat  seine  Linien  —  im  Wettbewerb  und  zugleich  in
Fühlung  mit  der  Hamburgischen  Gesellschaft  —  wie  diese  fast  über  die  ganze  Erde
ausgedehnt,  obwohl  die  Basis  des  von  ihm  bedienten  bremischen  Handels  sehr  viel
schmaler  ist  als  die,  auf  der  Hamburgs  Verkehr  sich  aufbaut.  Schon  im  Jahre  1866
kam  zu  dem  New  Bork-Dienst  eine  Baltimore-Linie  hinzu,  an  der  sich  die  Baltimore-Ohio-Bahn
  mit  der  Hälfte  des  Kapitals  einige  Jahre  hindurch  beteiligte;  dann  folgten
1869  eine  Verbindung  mit  New  Orleans,  1871  eine  Linie  nach  der  westindischen
Inselwelt  und  der  Ostküste  Mittelamerikas;  1875  wurde  der  Brasilien-  und  der  La
Plata-Dienst  eingerichtet,  1881  der  erste  Schnelldampfer  in  den  Verkehr  mit  New
<Aork  eingestellt;  1885  kamen  mit  Unterstützung  des  Reichs  die  Postlinien  nach  Ostasien
und  nach  Australien  hinzu,  1891  wurde  auch  Genua  mit  New  Port  verbunden;  1899
und  1900  endlich,  nachdem  die  Postfahrten  nach  Ostasien  eine  Verdoppelung  erfahren
hatten,  wurde  der  Küstendienst  jener  fernen  Gegenden  ausgebaut,  indem  gemeinsam  mit
den  bremisch-ostasiatischen  Firmen  Melchers  und  Rickmers  eine  Jangtse-Linie  eingerichtet ­
  wurde,  und  indem  die  beiden  englischen  Gesellschaften,  die  von  Singapore  und
Hongkong  aus  die  Küste  und  den  hinterindischen  Archipel  bedienten,  die  Scotish
Oriental  Steamship  Company  und  die  East  India  Ocean  Steamship  Company,
aufgekauft  und  bedeutend  nach  Zahl  der  Schiffe  und  Wirkungskreis  erweitert  wurden.
Dagegen  ist  die  Verbindung  mit  englischen  Häfen  im  Jahre  1897  vom  Lloyd  abgezweigt
worden;  die  dahin  fahrenden  Schiffe  hat  die  Gesellschaft  Argo  übernommen,  auf  deren
Verwaltung  der  Lloyd  Einfluß  hat.
Folgende  Linien  werden  jetzt  vom  Lloyd  unterhalten:  von  Bremen  nach  New
Vork  fahren  Schnelldampfer,  einfache  Postdampfer  und  Frachtdainpfer  zwei-  bis  dreimal ­
  wöchentlich;  Baltimore  wird  wöchentlich  einmal  aufgesucht,  Galveston,  Kuba  und
Mexiko  mit  besonderen  Linien  alle  14  Tage,  ebenso  oft  Brasilien  und  die  La  Plata-Mündung;
  nach  Ostasien  wird  gemeinsam  init  der  Hamburg-Amerika-Linie  eine  Postdampferverbindung
  vierzehntäglich  und  eine  Frachtdampferverbindung  zehntäglich  unterhalten; ­
  für  Austtalien  ist  jetzt  ein  dreiwöchentlicher  Verkehr  eingerichtet;  ebenfalls
            
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