3. „The Captains of Industry.
465
Wettbewerbs beruht, abgesehen von den unermeßlichen Schätzen des Bodens, zum Teil
auf dem maschinellen Ersatz der Menschenhände, auf Schnellbettieb, auf Konzentration
des Betriebs, — zum Teil aber auch, und zu einem wesentlichen Teil, in der Speziali
sierung der Arbeitsgebiete, und vor allein in der notwendigen Spezialisierung der
Arbeiter, denen wir doch ganz andere Löhne zahlen als Sie drüben I Unsere Arbeiter
bleiben in der gleichen Werkstätte, an derselben Drehbank, an demselben Kran, an
derselben Maschine; sie werden nie von einer Abteilung in die andere geschickt, sie
werden immer zu der gleichen Arbeit verwendet. So gewinnen sie an der Stelle, an
der sie stehen, eine außergewöhnliche Fertigkeit, — sie werden Spezialisten in ihrem
Fach, in dem Bereich ihrer Arbeit und leisten durch die jahrelang getätigte Übung
quantitativ und qualitativ in acht Stunden vielleicht mehr als ein Arbeiter drüben in
der doppelten Zeit! So fallen die höheren Löhne für uns gar nicht in die Wagschale I"
Zweckentsprechend verfahren, — das ist der Grundsatz der Industrie in den Ver
einigten Staaten. Man ist auf das äußerste sparsam bei der Produttion, aber nicht,
indem man kargt, sondern indem man keine Ausgabe scheut, die irgend einen Erttag
verspricht. Der Amerikaner wirft eine eben erst gekaufte Maschine zum alten Eisen,
wenn sie nicht zweckentsprechend ist, um alsbald ein besseres Modell zu erstehen; er hat
das Lerz, überall die teuersten und besten Spezialmaschinen anzuschaffen.
Zweckentsprechend verfahren, — das ist der Grundsatz der Industtie in den Ver
einigten Staaten, und das Ziel ist ein doppeltes: selbst für den heimischen Martt zu
sorgen und den Landesreichlum und die Landeskraft durch Gewinnung fremder Märkte
für sich fruchtbar zu machen, wobei durch intensive Vervollkommnung der Technik einer
seits die äußerste Ausnützung der Rohmaterialien, anderseits der allmähliche Übergang
zur Erzeugring von qualitativ hochstehenden Waren scharf in den Vordergrund ttitt.
Es ist begreiflich, daß dem unermeßlichen Fortschritt der Vereinigten Staaten in der
Produttion und Verwertung von Rohstoffen bei zunehmender Bevölkerung der wirt
schaftliche Amschwung folgen mußte. Es war gar nicht anders möglich, als daß ein
Land, dem unaufhörlich Arbeiter der verschiedensten Gewerbszwcige aus der Alten Welt
zuströmten, sich auf die Dauer nicht damit begnügen mochte, den Landlanger der
fremdländischen Industrie abzugeben, ihr die Materialien zu liefern und die ver
arbeiteten abzunehmen. Die natürliche Entwicklung verlangte das Entstehen von eigenen
Industtien zur Deckung des heimischen Bedarfs. Der nächste Schritt war, daß die
unter dem Zollschutz erstarkende Industtie sich exportierend zu betätigen begann. Nicht
langer Zeit hat cs bedurft, uni das Beginnen zu mächtiger Entfaltung auszuweiten
und den Fabrikatsexport immer erheblicher zu steigern.
3. „The Captains of Industry.“
Von Ludwig Max Goldberger.
Soldberger, Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Beobachtungen über das Wirt
schaftsleben der vereinigten Staaten von Amerika. Berlin und Leipzig. F. Fontane & Lo., (905.
5. 2S—29.
Mehr als in irgend einem anderen Land der Welt tritt auf dem Gebiet von
Verkehr, Lande! tind Industrie in den Vereinigten Staaten von Amerika gerade jetzt
die Gewalt einzelner Personen in den Vordergrund. Gewiß ist der mächtige wirt
schaftliche Aufschwung des Landes dem Anternehmungsgeist von Männern mit zu
danken, deren Namen die Geschichte der Anion siir alle Zeiten verzeichnen wird. Die
Mo Hat, Volkswirtschaftliches Lesebuch. 30