7. Die Organisation des Getreidehandels.
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der jetzt bevorsteht und zum Teil in Amerika ausgeführt ist: auch für den sehr viel
längeren Zeitraum der ruhenden, nicht auf dem Transport befindlichen Ware die
Warenfürforge vom Ländler auf einen kaufmännisch neutralen und technisch besonders
erfahrenen Dritten zu übertragen. Wo dies geschieht, verbleibt dem eigentlichen
Getreidehändler nur die Erfüllung der Aufgaben der Vermittelung zwischen Vorrat
und Bedarf und damit der Preisbestimmung, während die Sorge für die konkrete
Ware Aufgabe der Transportgesellschaften und im höheren Maße der Lagerhausunter
nehmungen ist; das Band zwischen Warenvorrat und Warenvermittelung wird also rein
äußerlich stark gelockert.
Soll nun diese Arbeitsteilung eine wirtschaftlich rationelle sein, so muß sie die
arbeitsteiligen Leistungen quantitativ und qualitativ steigern. Auf unseren Fall an
gewandt, heißt das: die Fürsorge für die Ware muß bei den Lagerhausverwaltungen
— bei den Transportgesellschaften liegt die Sache etwas anders — besser und billiger
werden, und die von dieser Fürsorge befreiten Ländler müssen die Funktionen der
Warenvermittelung und Preisbildung sachgemäßer, schneller und billiger versehen. Eine
solche Wirkung hat die Arbeitsteilung dann, wenn sie eine intensivere Berufsbildung
entwickelt, was wiederum nach allgemeinen psychologisch - wirtschaftlichen Regeln die
Konzentration auf die enger umgrenzten Aufgaben zur Voraussetzung hat. Daraus
ergibt sich für den Getreidehandel die staatswirtschaftliche Forderung, die beiden Berufs
gruppen der Getreidehändler und der Getreidelagerer möglichst zu isolieren, einmal
gegeneinander und sodann gegen Außenstehende. Die Abgrenzung gegeneinander ist
besonders wichtig für das Lagerungsgeschäft, denn nur das Verbot des eigenen Landels
gibt eine Garantie für die beste Warenfürsorge. Die Abgrenzung gegen außerhalb
des Getreidehandels Stehende kommt für den eigentlichen Getreidehandel vor allem in
Betracht, denn die bessere Erfüllung der wichtigen, spezifisch kaufmännischen Funktionen
ist hier bei dem komplizierten Zusammenwirken nur möglich, wenn das geschulte Llrtcil
der kaufmännischen Sachverständigen nicht durch die überhaupt nicht oder ungenügend
begründeten Ansichten spekulationssüchtiger Laien paralysiert wird.
Daß ein Land des Laissez faire, ein Land mit so dezentralisierter Staats
gewalt, wie die Vereinigten Staaten von Amerika, nicht dazu geschaffen ist, diese
Abgrenzungen der Berufsgruppen durchzuführen und damit den wirtschaftlichen Vor
teilen dieser neuen Arbeitsteilung den Sieg über die notwendig mit ihr auch verbundenen
Nachteile zu verschaffen, bedarf nicht des Beweises. So oft auch gerade auf diesem
Gebiete Amerika als das nachahmenswerte Vorbild hingestellt wird, so zeigt es doch
auch hier vielleicht noch mehr Nachteile als Vorteile in ungehemmter und daher üppiger
Entfaltung und bewährt sich damit auch hier als Musterland für die Erkenntnis wirt
schaftlicher Tendenzen und Probleme.
Der amerikanische Getreidehandel trägt gegenwärtig den ausgeprägten Charakter
eines Äbergangszeitaltcrs mit einem janusartig vor- und rückwärts gewandten Gesicht.
Zunächst ragt die Vergangenheit in die Gegenwart hinein; denn trotz der veränderten
Landels- und Transporttechnik, trotz mancherlei gesetzlicher Verbote wird mit dem
Lagerhausgeschäft regelmäßig das Getreidevermittelungsgeschäft verbunden. Dadurch,
daß die fremden, unter Aufgabe der Identität eingelagerten Getreidemengen neben dem
eigenen Vorrat den Spekulationen des Lagerhausbesihers dienstbar gemacht werden
können, gewinnt dieser einen ebenso großen Vorsprung vor dem keine eigenen Lager
räume besitzenden Getreidehändler, wie der fremde Einlagerer dadurch, daß nicht neutral-
technische Gesichtspunkte, sondern kaufmännische Berechnungen für die Behandlung des
Getreides maßgebend sind, benachteiligt wird. Das führt schließlich jedoch zu einem
Widerspruch in sich selbst. Denn die Verschiebung des Gleichgewichts zwischen beiden
Gruppen im Getreidehandel entwickelt notwendig eine wachsende Tendenz auf Mono
polisierung des effektiven Getreidehandels in der Land der Lagcrhausgesellschaften und