Buch II.
Bevölkerung und Unterhaltsmittel.
feit, Unterhaltsmittel zu produzieren, und die Konsumtion von Gütern
irgendwelcher Art oder von produktiven Kräften ist gleichbedeutend mit
der Konsumtion von Unterhaltsmitteln. Ich habe z. B. etwas Geld
in der Tasche. Damit kann ich entweder Nahrung oder Zigarren oder
Schmucksachen oder Theaterbilletts kaufen, und genau in der Art, wie
ich mein Geld ausgebe, bestimme ich Arbeit, sich auf die Produktion
von Nahrungsmitteln, von Zigarren, von Schmucksachen oder von
Theatervorstellungen zu werfen. Tin Diamantschmuck hat einen Wert
gleich so und so vielen Scheffeln Mehl, d. h. es erfordert durchschnittlich
so viel Arbeit, die Diamanten zu produzieren, als es erfordern würde,
so viel Mehl hervorzubringen. Belade ich meine Frau mit Diamanten,
so strenge ich ebensoviel produzierende Kräfte an, als wenn ich so viel
Nahrung bloßen Litelkeitsformen geopfert hätte, palte ich mir einen
Diener, so nehme ich möglicherweise einen Pflüger vom Pfluge fort.
Die Züchtung und Erhaltung eines Rennpferdes erfordern eine Sorgfalt
und Arbeit, die für die Züchtung und Erhaltung vieler Arbeitspferde
ausreichen würden. Die mit einer allgemeinen Illumination oder mit
dem Abfeuern von Salutschüssen verbundene Güterzerstörung ist gleich
bedeutend mit dem Verbrennen von so und so viel Lebensmitteln.
Ein Regiment Soldaten oder ein Kriegsschiff mit Mannschaft halten,
heißt Arbeit, die viele tausend Menschen zu erhalten imstande sein
würde, auf unproduktive Zwecke ablenken. Die Fähigkeit einer Bevölke
rung, die Bedürfnisse des Lebens zu erzeugen, ist also nicht nach den
wirklich erzeugten Lebensbedürfnissen, sondern nach der Ausgabe von
Kraft aller Arbeit zu ermessen.
Abstrakte Erörterungen sind nicht erforderlich. Die Frage ist ein
fach eine tatsächliche. Nimmt die relative Fähigkeit, Güter zu produzieren,
mit der Bevölkerungszunahme ab?
Die Tatsachen sind so greifbar, daß man nur die Aufmerksam
keit auf sie zu lenken braucht. Wir haben in neueren Zeiten viele Länder
an Bevölkerung zunehmen sehen, paben sie nicht gleichzeitig noch
schneller an Wohlstand zugenommen? wir sehen viele Länder noch
immer an Bevölkerung zunehmen. Nimmt nicht auch ihr Wohlstand
noch schneller zu? Besteht irgendein Zweifel darüber, daß, während
Englands Bevölkerung stch im Verhältnis von 2 Prozent pro anno
vermehrte, sein Wohlstand sich in noch größerem Verhältnis vermehrt
hat? Ist es nicht richtig, daß, während die Bevölkerung der Vereinigten
Staaten sich alle 29 Jahre verdoppelt hat*), ihr Wohlstand sich in viel
kürzeren Zwischenräumen verdoppelte? Ist nicht unter ähnlichen Ver
hältnissen —* d. h. in Ländern von gleichartiger Bevölkerung auf gleicher
Kivilisationsstufe —> das am dichtesten bevölkerte Land auch das reichste?
Sind nicht die dicht bevölkertsten östlichen Staaten im vergleich zur
Bevölkerung reicher als die schwächer bevölkerten westlichen oder süd
*) Das Verhältnis bis rsso war 35 Prozent für jedes Jahrzehnt.