42
Der technische Fortschritt erhöht die Arbeitsproduktivität bei
allen Wirtschaftssystemen. Der Jäger von heute, der sich des
weittragenden Gewehres bedient, der Fischer, der ebenfalls ver-
vollkommnete Werkzeuge gebraucht, ebenso wie der Landwirt,
der landwirtschaftliche Maschinen verwendet, sie alle erhalten
bedeutend mehr Produkte, als der Urjäger mit seinem steinernen
Werkzeug, oder als der Chinese, der seinen Acker mit primitiven
Geräten bestellt. Dennoch wird kein moderner Landwirt auch
mit den verbesserten Werkzeugen bei bedeutendem Bodenreich
tum so hohe Ernten pro Flächeneinheit erhalten wie der Chinese,
da er keine so intensive Kultur führen wird. — Der technische
Fortschritt erhöht die Arbeitsproduktivität sowohl in der exten
siven als auch in der intensiven Wirtschaft, hebt aber den Unter
schied zwischen diesen Wirtschaftssystemen nicht auf. Wenn der
Landwirt bei primitiven Werkzeugen 100 Doppelzentner Getreide
auf jede Arbeitskraft in einer extensiven Wirtschaft und 70 Doppel
zentner in einer intensiven Wirtschaft erhält, so wird die Arbeits
produktivität im ersten Falle bei vervollkommneten Werkzeugen
auf 200 Doppelzentner und im zweiten Falle bloß auf 140 Doppel
zentner steigen. Daher strebt auch die Bevölkerung danach,
trotz des technischen Fortschrittes den Boden extensiv auszu
nutzen und geht zur intensiven Kultur nur bei Mangel an freiem
Boden über.
So treten in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft in
der Urproduktion zwei entgegengesetzte Tendenzen auf, die die
wirtschaftliche Struktur beeinflussen: einerseits das Bestreben,
sich zu zerstreuen, hervorgerufen durch das Sinken der
Arbeitsproduktivität bei sukzessiven Arbeitsaufwänden auf der
selben Bodenfläche; und andererseits die otwendigkeit, eine
intensivere Kultur einzuführen, um aus demselben Boden mehr
Produkte für die zunehmende Bevölkerung zu erhalten. Wie
schon erwähnt, heben der technische Fortschritt und die Ver
besserung der Agrikultur im allgemeinen den Unterschied
zwischen der extensiven und intensiven Wirtschaft nicht auf. So
hat auch der moderne, gewaltige technische Fortschritt die Ten
denz zur Zerstreuung der Bevölkerung nicht neutralisiert, weil