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schenkenner im allgemeinen waren, und daß sie den Präsi
denten Roosevelt im besondern richtig zu beurteilen
wußten. Sie widersprachen ihm nicht und überhörten ge
wissermaßen seine Fehdeansage. Sie wußten, daß Roose
velt die Zeichen der Herrschaft bald viel zu sehr lieb
gewinnen würde, um bei dem Entschluß einer Trennung
von ihnen nach kurzen drei Jahren zu verharren.
. So ist es auch gekommen. Präsident Roosevelt will
sich zur Wiederwahl stellen, und damit ist er der Partei
verfallen. Er hat der Reihe nach alle seine Reformankün
digungen abgeschwächt. Er wird Mac Kinleys politisches
Testament nicht zur Ausführung bringen. Mac Kinley stand
in seiner zweiten, das ist nach einer seit Washingtons Tagen
unverbrüchlich festgehaltenen Überlieferung letzten Präsi
dentschaftsperiode, als er in Buffalo die Revision des Zoll
tarifs ankündigte. Vor seiner Wiederwahl hatte er es nicht
getan. Präsident Roosevelt ist in diesem Punkt genau so
menschlich-klug wie sein Vorgänger. Ihm und den Seinen
gefällt es im Weißen Hause so sehr, daß es seiner mit
aufrichtiger Moralität verbundenen Eindrucksfähigkeit sicher
in kürzester Frist gelingen wird, gerade die Bestrebungen
als dem allgemeinen Interesse dienlich zu erkennen, deren
Verfechtung ihm eine Erneuerung seiner Amtsperiode
wahrscheinlicher macht. Er ist ein warmherziger Patriot
und zugleich ein ausgezeichneter Repräsentant jener Na
turen, deren gutes Herz für die ganze Welt zu schlagen
wirklich glaubt, weil es das eigene Behagen mit dem der
Welt identifiziert.
Die vorstehende Charakteristik des Oberhauptes der
Vereinigten Staaten wäre nicht vollständig, wollte man sich
nicht gleichzeitig das Milieu gegenwärtig halten, innerhalb
dessen der Präsident zu wirken berufen ist. Die inneren
Beziehungen des amerikanischen Bürgers zur Union,