Abschnitt V.
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recht behelfen müssen. Ist doch der Ausbau der höheren Stufen
solcher Theorie bloß im regen Wechselverkehr zwischen Theorie und
Empirie denkbar, indem die erstere der letzteren unausgesetzt die
Probleme stellt, die ein weiterer Ausbau von Formenlehre und Ge
staltungslehre zu lösen erheischt; eine Aufgabe, die sich nur im Wege
richtiger Werkfortsetzung erfüllen ließe, vielleicht über Generationen
hinweg. Die Zeit der rasch fertigen Systeme ist dann eben endgültig
vorbei. Die Nationalökonomie hört dann auch für den Teil ihrer
Theorie auf, eine Wissenschaft zu sein, deren Stelle ihre Lehrbücher
vertreten. Gewiß, nur ein Wechsel auf lange Frist wird hier ge
zogen, aber es steht doch Barzahlung in klingender Münze der
Erkenntnis in sicherer Aussicht. Für zwei Erfolge bietet sich die
Bürgschaft dar: Einmal, daß so der Schlüssel zu finden wäre, um
jeder wirklichen, auch jeder nur denkbaren Wirtschaft ihr tiefstes
Wesen abzulauschen, im Geiste einer „Allwirtschaftslehre“;
zweitens aber, daß hier ein Denken am Werke ist, im Vor
gang und in seiner Problembewußtheit scharf diszipliniert, ein
Denken, über dem sich die Theorie nicht vorweg und unheilbar zer
klüftet. Denn nun gilt es nicht ferner, zu vorgegebenen Worten die
richtigen Begriffe und Theoreme finden zu wollen, was unrettbar in
Widersprüche von Theoretiker zu Theoretiker hineintreibt, die unauf
lösbar schon deshalb sind, weil sie letzten Endes in abweichender Ge
sinnung wurzeln. Gestritten muß immer werden, und so auch hier,
über die Probleme zunächst, dann über ihre Lösung. Aber dieser
Streit ist fruchtbar und führt notwendig zu förderlichem Ausgleich der
Meinungen. So winkt hier erst wahrhaft eine Theorie, die sich dauernd
dem Grenzwert allgemeiner Anerkanntheit zubewegt 1