Full text : Die Entwickelung der eingetragenen Genossenschaften in Preussen während des letzten Jahrzehnts

gar  zu  dürftig  bemessen  werden.  —  Nicht  ohne  Besorgnis
darf  man  aber  auf  die  739  Genossenschaften  m.  b.  H.
(=  15,99  v.  H.)  mit  ihren  55  867  Mitgliedern  (=  6,33  v.  H.)
hinblicken,  bei  denen  die  Haftsumme  den  Geschäftsanteil  um
mehr  als  das  Fünfzig-,  das  Hundert-,  das  Zweihundertfache
bis  zum  fibertausendfachen  übersteigt.  Es  finden  sich  darunter
freilich  fast  ausschließlich  Vereinigungen  mit  den  niedrigen
Geschiiftsanteilsätzen  von  50  Pfennig  bis  10  M.  bei  denen  ein
hohes  Vielfaches  schließlich  oft  eine  noch  immer  nicht  unerschwingliche ­
  Haftsumme  ausmacht:  in  den  Stufen  der
höchsten  Vielfachen  sind  ihrer  nicht  allzuviele.  Wozu  aber,
so  fragt  man  sich,  wird  solch  ein  ungünstiges  Verhältnis  festgesetzt? ­
  Der  sehr  niedrige  Geschäftsanteil  ist  wohl  oft  noch
als  Nachwirkung  der  früheren  Auffassung,  namentlich  Raiffeisens, ­
  daß  es  keines  Geschäftsanteils  bedürfe,  anzusehen  und
bedeutet  deshalb  zur  Zeit  nicht  viel  mehr  als  die  formale
Erfüllung  einer  gesetzlichen  Bedingung.  In  solchen  Fällen
brauchte  doch  aber  dann  auch  die  Haftsumme  nicht  ein  so

hohes  Vielfaches

des  Geschäftsanteils

zu  sein.

Es  beträgt

die  Haftsumme  vom  Geschäftsanteile

in  den

das  über  100--200

  fache

Geschäftsanteilstufcn


bei

mit

Ges.-Hfts.

von

Gen.

Mitgl.

Jt

0,50  Jt

2

223

63  300

1  Jt  .

66

9  119

11  739  745

1,50  Jt

2

68

15  400

2  M

14

898

1  181  600

3  M

11

374

874  350

4  Jt  .  .

2

178

218  500

5  Jt

6

486

898  500

10  Jt

30

129  600

100  Jt

1

10

200  000

zusammen

107

11  380

15  320  995

das  über  200—

-300  fache

1  jt

9

714

1  785  010

2  jt.

2

160

457  500
1  006  050

3  jt

\
2

288

5  jt

2

340

567  600

10  M

1

12

30  000

zusammen

Hi

1  514

3  840  160

das  über  300--500

  fache

0,50  Jt

2

204

107  200

1  Jt

5

1  531

2  635  500

10  Jt

2

23

385  000

zusammen

9

1  758

3  127  700
1  000  fache

das  über  500—

0,50  Jt

58

17  400

1  M

396

1  161  100

10  Jt

1

10

60  000

zusammen

464

1  238  500

das

über  1  000  fache

1  j<

13

18  200.

Erscheinungen  im  Genossenschaftsleben  wie  diese  sind
auffällig;  denn  sie  überschreiten  anscheinend  die  Grenze  des
Genossenschaftswesens,  die  verständigerweise  dort  gezogen
werden  muß,  wo  der  genossenschaftliche  Zusammenschluß  zur
Belastung  mit  unverhältnismäßigem  Risiko  führt,  wo  dieses
außer  Verhältnis  zu  dem  Vorteile  steht,  den  die  Genossenschaft ­
  allerdings  vielleicht  dem  einzelnen  Mitgliede  zuführt.
Immerhin  gilt  das  nur  allgemein  und  unterliegt  im  Einzelfalle
mancher  Einschränkung.  Verschiedene  Verhältnisse  erheischen
verschiedene  Einrichtungen.
2.  Geschäftsanteil  und  Haftsumme  nach  dem  Gegenstände
des  Unternehmens.
Das  ^  erhältnis  von  Geschäftsanteil  und  Haftsumme  bei  den
Genossenschaften  m.  b.  H.  ist  aber  nur  ein  äußeres  Merkmal
von  allerdings  allgemeinstatistischem  Werte.  Wesentlich  mitbestimmend ­
  für  jenes  Verhältnis  ist  der  Gegenstand  des  Unternehmens ­
  :  Bei  einem  Konsumvereine  beispielsweise  liegen  die

I  Dinge  anders  als  bei  einem  Kreditvereine  oder  einer  Baugenossenschaft. ­
  Selbst  in  derselben  Gruppe  von  Genossenschaften  ist
der  städtische  oder  ländliche  Charakter  des  Vereins  ausschlaggebend, ­
  ebenso  der  Sitz  und  das.  örtliche  Gebiet  oder  das
verschiedene  Bedürfnis  in  den  Betrieben  der  Genossen  nach
umlaufendem  oder  stehendem  Betriebskapital,  insofern  dadurch
die  Festsetzung  des  Geschäftsanteils  und  der  Haftsumme
jedenfalls  beeinflußt  wird:  ein  Trierischer  Winzerverein  und
eine  landwirtschaftliche  Produktiv-  usw.  Genossenschaft  des
Ostens  haben  andere  wirtschaftliche  Voraussetzungen  als
manche  sonstige,  und  damit  ein  ganz  verschiedenartiges
!  Kreditbedürfnis,  an  dessen  Befriedigung  die  satzungsmäßigen
|  Vorschriften  über  Geschäftsanteil  und  Haftsumme  u.  a.  m.
angeschlossen  werden  müssen.  Bei  Beurteilung  des  Verhältnisses ­
  von  Geschäftsanteil  und  Haftsumme  wird  man  daher
nach  dem  Gegenstände  des  Unternehmens  der  Genossenschaften
fragen  müssen.  In  dieser  Richtung  gibt  nun  die  Tabelle  VI
des  Tabellenwerkes  Uber  die  Genossenschaften  m.  b.  H.  ausführliche ­
  Auskunft,  die  sich  außerdem  auf  den  wichtigen  Punkt
der  „weiteren  Geschäftsanteile“  mit  erstreckt.
Zunächst  eine  Hauptzusammenstellung  aus  dieser  Tabelle.
Nach  dem  Gegenstände  des  Unternehmens  unterschieden  sich
die  Genossenschaften  m.  b.  H.  am  1.  Jannar  1904,  wie  folgt:

Genosweitere



Haftsen-




 ­


Geschäfts- ­



insgesamt
in

teil

anteile

Tausend

Mark

1.

Kreditvereine

1  182

225  590

186  193

177  748

2.

Rohstoffgenossensch.,  gewcrbl.

105

3  947

1  622

1834

3.

„  ,  landW.  .

459

40  438

64  702

26  880

4.

35

1  457

639

S67

5.

Werkgenossenschaft.,  gewcrbl.

78

11  448

12  455

3  987

6.

„  ,  landw.  .

39

690

2  817

637

7.

Gen.  z.  Besch,  v.  Masch  usw.  .

6

450

1316

960

8.

Magazingenossensch,  gewcrbl.

26

809

1132

1  455

9.

„  ,  landw.  .

125

19  258

39  182

10  041

10.

Rohstoff-  u.  Mag.-Gen.,  gewerbl.

73

2  114

1  715

758

11.

,.  .,  „  ,  landw.  .

'  8

1  136

8  307

1  147

12.

Produktivgenossensch.,  gew.  .

100

12  021

21  566

8  758

13.

„  .  landw.

844

55  768

152  622

48  665

14.

Zuchtgenosscnsckaften  ....

124

9  406

1377

2  080

15.

Konsumvereine

841

387  605

51511

11  114

16.

Wohn.-  u.  Baugen.,  eigentliche

412

92  271

27  44S

29  136

17.

,,  ,,  ,  Vei'einsh.  .

43

4  655

5  730

734

18

Sonstige  Genossenschaften  .  .

121

13451

25  218

6  717

zusammen  .  .  .

4  621

882  514

605  552

333  518.

.  Aus  diesen  Zahlen  lassen  sich  folgende  lehrreiche  Verhältniszahlen ­
  ableiten.  Es  betrug
die  durch-  die  durch-  die  durchschnittliche ­
  schnittliche  schnittlicho
Zahl  der  Zahl  der  Haftsumme
Mitglieder  Geschäfts-  für  den
für  eine  anteile  für  Geschäfts-Genossen-
  eine  Ge-  anteil

schaft

nossenseliaft

JL

1.

Kreditvereine

191

348

432

2.

Rohstoffgenossenschaften,  gew.

38

53

329

3.

„  ,  landw.

88

229

256

4.

Wareneinkaufsvereine

42

60

414

5.

Werkgenossenschaften,  gewerbl.

147

306

167

6.

„  ,  landw.  .

18

90

182

7.

Gen.  z.  Besch,  v.  Masch.  usw..  .

75

294

544

8

Magazingenossenschaften,  gew.

31

75

749

9.

„  ,  landw.

154

468

172

10.

Rohstoff-  u.  Mag.-Gen.,  gewerbl.

29

52

198

11.

„  „  „  ,  landw.  .

142

1  180

121

12.

Produktivgenossensch.,  gewerbl.

120

336

261

13.

„  ,  landw.  .

66

247

234

14.

Zuchtgenossenschaften

76

87

193

15.

Konsumvereine

461

522

25

16.

Wohn.-  11.  Bangen.,  eigentliche

224

291

243

17.

„  „  ,,  ,  Vereinsh..

108

242

71

CO

Sonstige  Genossenschaften  .  .  ,

111

320

174

zusammen  ....

191

.  322

224.
            
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