74 Straßenmotoren.
der Steuersäule montiert ist und die Bewegung mittels Kettenrades auf jene Räder über
trägt. Ein unterhalb des Lenkrades angebrachter Hebel gestattet einerseits durch Ver
stellen nach rechts oder links die eine oder die andere Übersetzung einzuschalten, anderseits
befinden sich an diesem Hebel zwei Handgriffe, durch welche der Zufluß der Luft und der
Zufluß des Gases zum Motor geregelt werden können. Dicht unter dem vorerwähnten
Hebel befindet sich noch ein kleinerer zur Einstellung und Regelung des Kontaktes auf
Bor- und Nachzündung. Den oberen Abschluß der Steuersäule bildet ein elektrisches
Läutewerk, das sich durch einen leichten Druck in Thätigkeit setzen läßt.
Die Ingangsetzung des Motores erfolgt vom Wagensitze aus, indem man den Motor
mittels eines Schaltwerkes durch ein paar Hebelhübe anratscht; um dies etwas zu erleichtern,
drückt man zugleich mit dem Fuße auf einen kleinen am Boden befindlichen Hebel, wo
durch der Gegendruck im Cylinder vorübergehend aufgehoben wird, so daß die Gase freien
Abzug haben. Während der Fahrt ruht die eine Hand auf dem Lenkrade, während die
andere die Geschwindigkeit regelt; nachdem die gewünschte Fahrgeschwindigkeit erzielt ist,
wird letztere Hand wieder frei. Will man plötzlich halten, so rückt man zunächst die Kupp-
4». Daimlerschcr Motorfrachtwogcn.
lung aus, wodurch gleichzeitig die Zündung unterbrochen wird, so daß der Motor keine
Arbeit mehr verrichten kann; außerdem stehen aber noch zwei Fußbremsen zur Verfügung,
eine Brandbremse für die Hinterachse und eine auf die Räder wirkende Blockbremse.
Unter dem Postsitze sind der 20—25 1 fassende Benzinbehälter, sowie die zur Zündung
erforderlichen Akkumulatoren und der Induktor untergebracht. Der Wasserbehälter, ein
vollständiger Rippenkörper, befindet sich vorn vor dem Postkasten, verdeckt durch einen
bronzenen Reichsadler. Eine von der Motorwelle angetriebene kleine Zentrifugalpumpe
saugt das heiße Wasser vom Cylinderkopfe her und bewirkt dessen Zurückführung durch
lange mit Rippen versehene Kupferrohre zum Kühlbehälter. Der Wagen ist 3,« m lang,
1,25 m breit und 1,40 m hoch; er kann mit 7 Zentnern belastet werden und erreicht eine
größte Geschwindigkeit von 25 km in der Stunde.
Einen von der Daimler Motoren-Gesellschaft erbauten Motorfrachtwagen veran
schaulicht Abb. 49. Solche Geschäftswagen werden für den Transport einiger hundert Kilo
und mit einer Tragfähigkeit bis zu 5000 kg erbaut. Das Eigengewicht eines der
artigen Wagens beträgt 3300 kg, so daß das Gesamtgewicht 8300 kg ist. Zur Fort
bewegung eines solchen Wagens ist ein Daimler-Motor von zehn Pferdestärken erforderlich.
Für eine Stunde und eine Pferdekraft werden nach den bisherigen Erfahrungen 0,so kg
Benzin verbraucht.
Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die neue Erfindung, Luft zu verflüssigen, auch für
den Betrieb von Motorwagen und Motorrädern Verwendung finden wird.