Full text : Die Reichseisenbahnen

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männisch  gesprochen,  Abschreibungen  dar*)  und  konnten  demgemäß ­
  auch  in  der  Bilanz  der  preußischen  Staatseisenbahnen  (Anlage  II)
erscheinen.  Nach  der  Bilanz  vom  Jahre  1913  hatten  die  preußischen
Staatsbahnen  von  einem  Gesamtanlagekapital  von  etwa  12)4  Milliarden ­
  Ji  nicht  weniger  als  etwa  1,6  Milliarden  M,  also  mehr  als  ein
Drittel,  abgeschrieben.
übernahm  das  Reich  also  die  Eisenbahnen  mit  Aktiven  und  Passiven,
so  nahm  es'einigen  Bundesstaaten  eine  finanzielle  Last  ab,
während  Preußen  eine  der  besten  Überschußverwaltungen ­
  verloren  hätte.  Auch  ist  nicht  ohne  Schwierigkeit  festzustellen,
welche  Staatsschuldenbeträge  in  den  Einzelstaaten  als  Eisenbahnschulden
anzusehen  sind,  übernahm  aber  das  Reich  etwa  die  Eisenbahnen  ohne
die  Schulden,  so  wurde  die  Lösung  der  Frage  hierdurch  keineswegs  einfacher: ­
  Wenn  das  Reich  nämlich  die  Einzelstaaten  für  ihre  Eisenbahnen
nach  deren  Ertragswert  abfand,  so  mußten  einzelne  Bundesstaaten  auf
einem  nicht  unerheblichen  Betrage  ungedeckter  Eisenbahnschulden  sitzen
bleiben.  Dies  zusammengehalten  mit  der  Tatsache,  daß  sie  gleichzeitig
ihre  Eisenbahnhoheit  verloren,  konnte  natürlich  nicht  dazu  beitragen,  in
diesen  Bundesstaaten  die  Übertragung  der  Eisenbahnen  auf  das  Reich
populär  zu  machen.
In  allen  diesen  Punkten  sind  die  Verhältnisse  jetzt  andere,  wenn  auch
die  Schwierigkeiten  nicht  behoben,  sondern  nur  verändert  sind.
Der  einzelstaatliche  Partikularismus  ist  keineswegs  tot,  scheinbar
fast  lebendiger  als  im  alten  Reich.  Indessen  sind  nationalpolitische  Erörterungen ­
  nicht  Aufgabe  dieser  Zeilen.  Genug,  wenn  hier  Wunsch  und
Hoffnung  Ausdruck  finden,  daß  der  nationale  Gedanke  und
der  nationale  Wille  auch  auf  diesem  Gebiete  eine
Erneuerung  erfahren  wird.
Zu  den  bereits  angedeuteten  sachlichen  Schwierigkeiten  der  Auseinandersetzung ­
  ist  aber  eine  neue  Tatsache  hinzugetreten,  die  eine  Würdigung ­
  fordert:  Das  ist  der  Rückgang  der  Eisenbahnerträge.
DasVerhältnisderEisenbahnwirtschaftzumStaatshaushalt
  hat  damit  in  allenEisenbahnstaaten  eine
gründlicheWendung  zum  Schlimmen  erfahren.  Auch
in  Preußen.  Das  Rechnungsjahr  1918  schließt  für  die  preußischen
Staatsbahnen  mit  einem  Milliardendefizit.  Auf  die  Gründe  dieses
finanziellen  Niedergangs  bei  einem  der  bestfundierten  Unternehmen  der
Welt,  auf  die  Frage,  ob  diese  Katastrophe  vorauszusehen  und  bei  richtiger
Ausnutzung  der  allgemeinen  Lage  in  Volkswirtschaft  und  Staatswirtschaft ­
  abzuwenden  war  —  auf  alle  diese  Fragen  gehe  ich  nicht  ein;  denn

*)  Vgl.  die  eingehende  Erörterung  hierüber  im  „Archiv  für  Eisenbahnwesen" ­
  1910  S.  1143  (Heft  S).
            
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