Full text: Die Reichseisenbahnen

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dem nach vielen Millionen zählenden Zustrom und Abstrom an Reisen 
den kannte man früher nicht. Solche Massenpunkte konnten sich erst bilden 
im Zeitalter der Eisenbahnen. Nicht viel anders sind die Lebens 
bedingungen der großen Industriezentren, namentlich des rheinisch- 
westfälischen. Von Dortmund bis Düsseldorf reiht sich Stadt an Stadt, 
Schlot an Schlot, fast Haus an Haus. Man kann von einer einzigen 
Riesenstadt reden. Berlin ist das wichtigste Verbrauchs-, das Ruhrrevier 
das wichtigste Erzeugungszentrum Deutschlands. Nicht so eng zu 
sammengedrängt sind die großen Menschenansammlungen im Hütten 
bezirk des lothringisch - luxemburgischen Grenzgebietes und in Ober 
schlesien, deren erste sich auf die Erzvorräte, die zweite auf die Kohle 
gründet. Damit ist aber der Kreis der Verbrauchs- und Erzeugungs 
zentren keineswegs umschritten. Alle Großstädte und Hafenplätze ge 
hören hierzu, wie Leipzig, München, Mannheim, Köln, Hamburg usw. 
und sind gleichzeitig Brennpunkte der Wirtschaft wie des Verkehrs. 
Denkt man sich die Güter- und Personenbewegung zwischen diesen 
Brennpunkten des Verkehrs bildlich dargestellt, so ergibt sich ein kreuzweis 
durcheinandergehendes Netz von Verkehrsströmen verschiedener Stärke. 
Strecken, Bahnhöfe, Fuhrpark und Personal, alles ist darauf berechnet, 
eingerichtet, abgemessen und geschult, daß der Betrieb ununter 
brochen läuft, gleichsam wie eine Kette ohne Ende, so daß man 
von einer stontinuitäk des Eisenbahnbetriebes reden kann. Im regel 
mäßigen Pulsschlag vollziehen sich Zulauf und Ablauf der leeren und 
beladenen Güterwagen, laufen die Personenzüge hin und her. Alles 
ist in kunstvollen Fahrplansystemen geordnet. Stockt der Betrieb an 
einem Punkte, so ist der Schaden, der dem Ganzen zugefügt wird, 
ähnlich zu beurteilen wie der Stoß, den der menschliche Körper durch 
Stockungen des Blutumlaufs erfährt. Seine natürliche Elastizität be 
fähigt ihn, eine Reihe solcher Stöße auszuhalten. Werden sie zu 
häufig oder zu stark, überschreiten sie die Elastizitätsgrenze, so sind 
Schwächungen die Folge, die schließlich zum Zusammenbruch führen. 
Organisationsmängel treten bei regelmäßigem Betriebe selten her 
vor. Sie werden meist erst akut, wenn der Organismus besonders 
beansprucht wird. Daher sind Verwaltungsreformen fast 
immer Kinder der Not. 
Das gilt in besonderem Maße von der Eisenbahn. Der Eisenbahn 
verkehr verläuft an sich schon nicht völlig gleichmäßig. Er unterliegt 
vielmehr einmal Schwankungen, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit, 
wenn auch in verschiedener Stärke, wiederkehren, wie dem Ansteigen 
des Verkehrs im Herbst, wenn der Ernteverkehr mit der gesteigerten 
Brennstoffzufuhr zusammenfällt, sodann den großen Konjunkturschwan 
kungen des Wirtschaftslebens; denn der Eisenbahnverkehr ist ein Spiegel 
bild des Wirtschaftslebens. Wir haben also regelmäßig wieder-
	        
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