Full text : Die Reichseisenbahnen

60

Fachrichtungen  ausmachen.  Dieses  Übel  muß  an  der  Wurzel  gefaßt
und  alles  das,  was  der  leitende  Beamte  nicht  unbedingt  machen  muh,
auf  seinen  Vertreter  und  Gehilfen  abgewälzt  werden.
Damit  würde  viel  Segensreiches  erreicht:  Ein  Nerv  des  „Bureaukratismus" ­
  würde  zerschnitten,  zwischen  höheren  und  mittleren  Beamten
würde  ein  jetzt  vielfach  fehlender  enger  Zusammenhang  geschaffen.  Endlich ­
  aber  würde  der  Klasse  der  mittleren  Beamten,  die  man  geradezu
als  das  Rückgrat  der  preußischen  Verwaltung  bezeichnen  darf,  die  Möglichkeit ­
  eines  Aufstieges  gegeben.  Zur  Zeit  liegt  es  so,  daß  der  Bureaubeamte ­
  normalerweise  Mitte,  bei  ungünstigen  Verhältnissen  Ende  der
zwanziger  Jahre,  spätestens  im  Anfange  der  Dreißiger  in  die  Stelle  als
Sekretär  oder  Vorsteher  oder  eine  Stelle  gleichen  Ranges  (sogenannte
Stellen  I.  Klasse  nach  der  bisherigen  Ordnung)  einrückt,  um  in  ihr
zeitlebens  zu  verbleiben,  falls  ihm  nicht  eine  Ausnahmefügung  einen
Posten  als  Ministerialfekretär,  Rechnungsdirektor  oder  Verkehrsinspektor
usw.  beschert.  Hat  er  nicht  außer  Befähigung  und  Geschick  auch  recht  viel
Glück,  so  stehen  ihm  weitere  Aussichten  nicht  mehr  offen.  Daß  solche
Lage  trotz  der  Pflichttreue,  die  gerade  diese  vielverkannte  Beamtenklasse
auszeichnet,  nicht  geeignet  ist,  besonders  hohe  Leistungen  zu  erzielen,  ist
klar.  Solche  erfordern  einen  gewissen  inneren  Schwung,  der  ohne  einen
ständigen  Anreiz  nun  einmal  der  menschlichen  Natur,  wie  sie  die  Regel
ist,  nicht  gegeben  ist.  Man  soll  aber  Einrichtungen  nur  aus  Menschen
berechnen,  wie  sie  wirklich  sind.
So  könnte  sich  von  Stufe  zu  Stufe  eine  umfassende  Abwälzung ­
  von  Zuständigkeiten  nach  unten  vollziehen.  Sie
würde  oben  eine  Entlastung  bringen,  die  wirklich  schöpferischer  Arbeit
zugute  käme.  Unten  würde  sie  die  vielbeschriene  „Dienstfreudigkeit"
heben,  der  man  weit  weniger  mit  freundlichen  Redewendungen  als  durch
kraftvolles  Vertrauen  an  den  Leib  kommt.
Auch  in  den  Arbeitsmethoden  läßt  sich  noch  sehr  vieles
vereinfachen.  Zwar  sind  Fernsprecher  und  Schreibmaschine  auch  in  den
staatlichen  Bureaus  nicht  mehr  unbekannt;  aber  es  wird  von  ihnen
nicht  immer  zweckentsprechender  Gebrauch  gemacht.  Vor  allem  aber
arbeiten  in  der  Regel  noch  heute  „Dezernenten",  „Expedienten",  „Registratur" ­
  und  „Kanzlei",  kurz  alle  die  Faktoren  des  behördlichen  Geschäftsgangs, ­
  die  fast  zu  jeder  Geschäftshandlung  zusammenwirken  müssen,
räumlich  und  organisatorisch  völlig  getrennt  voneinander.  Der  Verkehr
zwischen  ihnen  ist  daher  in  der  Regel  schriftlich;  das  ergeben  schon  die
äußeren  Verhältnisse.
Künftig  wären  Dezernent,  Bureaubeamter,  Schreibkraft,  Schreibmaschine ­
  usw.  in  die  engste  Verbindung  zu  bringen.  Die  Zerschlagung
der  Riesenbureaus  öffnet  den  Weg  hierzu.  Für  Geschäfte  einfacher  Art
müßten  auch  den  Bureaubeamten  Hilfskräfte  zur  Verfügung  stehen.  In
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.