Full text: Die englische Agrarenquete von 1913

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Erster Teil. 
z. B. in Lancashire, haben sie auch diese Forderung durchgesetzt. Für- 
Saat- und Erntearbeiten ist von. dem freien Sonnabendnachmittag ab 
zusehen. Dabei ist auch die ideelle Seite der Sache zu bedenken, daß 
nämlich in einem niit Industrie durchsetzten Lande der bloße Anblick 
der vielen am Sonnabendnachmittag nicht Arbeitenden verbitternd auf 
die zur Arbeit Gezwungenen wirkt'). Materielle Berechtigung liegt in 
dem Wunsche, dem Garten diese Zeit widmen zu können. Besonders 
schwierig sind die tagaus, tagein gebundenen Viehwärter zu bekommen. 
Zugunsten des Landarbeiters wird häufig angeführt, daß er das 
ganze Jahr hindurch beschäftigt wird. Um die Richtigkeit dieser Be 
hauptung zu prüfen, wurde die Frage gestellt, ob bei Regen oder 
Schnee die Arbeiter beschäftigt werden oder nicht. Es ergab sich, daß 
in 47 °/<> der Kirchspiele die Arbeit bei schlechtem Wetter ausgesetzt wird. 
Die Angemessenheit des Lohnes muß ganz unabhängig von etwaiger 
Ermerbsgelegenheit der Frau^) und der Kinder sowie etwaiger Wohl 
tätigkeitseinrichtungen betrachtet werden; dabei zeigt sich, daß, von 
wenigen Ausnahmen abgesehen, der Lohn unzureichend ist, um eine 
Familie zu ernähren. Selbst unter Hinzunahme von Frauen- und Kinder 
verdienst faßt Miß Maud Davies in Borsley (Wiltshire) die Lebens 
haltung von einem Fünftel der Arbeiterfamilien unter dem physio 
logischen Standard. B. Seebohm Rowntree und Miß May Kendall 
kamen bei der Prüfung von 42 Landarbeiterhaushalten zu einem noch 
viel schlechteren Resultat. 
') Die letztere Tatsache ist subjektiv nicht von der Hand zu weisen. Objektiv 
ist dem jedoch entgegenzuhalten, daß die Sitte, die Fabrik- und sonstige Stadt 
arbeit Sonnabend mittags einzustellen, ihren guten Grund hauptsächlich in dem 
Bestreben hat, die verdorbene Luft der Fabriksäle gegen die frische Luft der Spiel 
plätze zu vertauschen; dieses Bedürfnis nach ausgiebigen Genuß frischer Luft 
entfällt beim Landarbeiter ohne weiteres; auch ist seine Arbeit viel abwechslungs 
reicher und vielfach trotz etwas längerer Arbeitszeit weniger ermüdend und er 
schlaffend. 
-) Aus dieser Äußerung geht hervor, daß sich die Kommission über das 
wahre Wesen der Landarbeit nicht klar war. Landarbeit ist ganz wesent 
lich-Familienarbeit. Darin, daß dem so ist, liegt die Überlegenheit des 
Kleinwirtes über den Großwirt begründet, die um so mehr in die Erscheinung 
tritt, je mehr sich der Großbetrieb, teils gewollt, teils gedrängt, vom Natural 
lohn abwendet, je höher der Geldlohn steigt und je mehr der Großgutsbetrieb 
dem Fabrikbetrieb hinsichtlich seiner ganzen Arbeitsverfassung nacheifert. Auf 
diesen Punkt wird im Nachwort noch einzugehen sein.
	        
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