Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

Drittes  Kapitel.  Small  Holdings.

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wachsenden  Bereitstellung  von  Land  wuchs  auch  die  Nachfrage  nach
Land;  so  war  Ende  1912  in  Norfolk  noch  Nachfrage  nach  weiteren
2400  ha.
33  o/o  der  Besitzer  von  8mall  Holdings  in  England  und  Wales
figurieren  als  Landarbeiter;  auf  der  Insel  Elp  waren  es  im  Jahre  1912
sogar  73  o/o,  in  Cambridgeshire  54°/«,  in  Somerset  dagegen  nur  7°/o.
Unsere  Untersuchungen  ergeben,  daß  die  Small  Holdings  nicht
eine  Wohlfahrtseinrichtung,  sondern  eine  ökonomische  Notwendigkeit
darstellen.  Es  ist  deshalb  nnabweislich,  dem  Volke  das  Verständnis
dafür  beizubringen,  daß  sie  sich  rentieren.  Wohl  gibt  es  schlecht
rentierende;  aber  haben  wir  nicht  in  allen  Gegenden  des  Landes  zahllose ­
  Beispiele  von  minderwertigem  Zustand  größerer  Güter?  Nicht
nur  produziert  das  Großfarmland  weniger,  es  beschäftigt  auch  weniger
Menschen.  Anders  zn  beurteilen  sind  alle  größeren  Güter,  die  unter
der  Leitung  fähiger  Pächter  mit  viel  Kapital  stehen  und  auch  ihrer  ganzen
Beschaffenheit  nach  sich  zum  Großbetriebe  besonders  eignen.  Zweifellos ­
  erzielt  der  Small  Holder  Erfolg  nur  mit  Riesenfleiß  und  zäher
Anstrengung;  diese  drückt  ihn  aber  nicht  nieder,  denn  er  strebt  auf
eigenem  Grund  und  Boden  mit  ganz  anderer  Liebe  zur  Sache.  Milchwirtschaft, ­
  Gartenbau,  Schweine-  und  Geflügelzucht,  alles  Branchen,
die  besonders  sorgfältige  Arbeit  erheischen,  sind  deshalb  im
Großbetrieb  oft  unrentabel,  bieten  dagegen  dem  kleinen  Mann  gute
Aussichten  auf  Erfolg.  Dieser  muß  dagegen  davon  absehen,  es  den
größeren  Gütern  nachtun  zu  wollen  im  Anbau  von  Getreide  und  anderen
Früchten,  deren  Anbau  auf  großen  Flächen  mit  modernen  Maschinen
und  Engros-Ein-  und  -Verkauf  sich  billiger  stellt.
Ein  Vergleich  mit  den  Verhältnissen  auf  dem  Kontinent  zeigt,  daß
wir  es  in  England  vernachlässigt  haben,  die  Größe  und  die  Wirtschaftsweise ­
  unserer  Güter  den  veränderten  Bedürfnissen  der  Neuzeit  anzupassen.
Seit  den  siebziger  Jahren  hat  die  Nachfrage  nach  Kleingütern  stetig
zugenommen.  Die  Verbilligung  des  Brotes  zusammen  mit  der  allgemeinen ­
  Verbesierung  der  Lage  der  Industriearbeiter  hat  mehr  Geld
freigemacht  zum  Ankauf  von  Fleisch,  Milch,  Butter,  Obst  und  Gemüse.
Dies  ließ  den  Small  Holder  die  landwirtschaftliche  Depression  der
achtziger  und  neunziger  Jahre  nicht  so  schwer  empfinden.  Trotzdeni
nahmen  die  Kleinbesitze  erst  nach  1908  nennenswert  zu,  während  Deutschland, ­
  Dänemark  und  andere  Länder  schon  früher  erhebliche  Zunahmen
zu  verzeichnen  hatten.  Während  auf  der  einen  Seite  viele  unserer
            
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