Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

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Dritter  Teil.

Landfrage":  „Um  die  Zahl  der  Arbeiter  auf  dem  Lande  zu  vermehren,
ist  es  enorm  wichtig,  mehr  Früchte  anzubauen.  England  muß  sich  wieder
einmal  der  Tatsache  bewußt  werden,  daß  es  zum  Pflug  greifen  muß.
Es  ist  keine  Übertreibung  zu  sagen,  daß  1  ha  mittleren  Bodens
Nahrungsstoffe  im  Werte  von  2000  Mk.  zu  produzieren  imstande  ist"
«gegen  heutige  200  Mk.).
Die  Distrikte  von  Eveshaiit  und  Wisbech  und  andere  mehr  liefern  Beweise ­
  für  die  Möglichkeit  der  Produktioussteigerung  durch  Marktgärtnerei
und  Obstfarmen.  Bei  guter  Entwicklung  und'  Organisierung  dieser
Branche  würde  das  ganze  Land  mit  diesen  Produkten  verproviantiert
werden  können.
Obgleich  mancher  englische  Viehzüchter  zu  den  tüchtigsten  Viehwirten
der  Welt  gehört,  kann  von  dem  Durchschnitt  nicht  behauptet  werden,
daß  er  sich  irgendwie  auszeichnet.  Die  Durchschnittsfarm  müßte  wenigstens
doppelt  so  viel  Kopf  Vieh  ernähren.  Selbst  in  Gegenden,  die  die  Viehzucht ­
  von  Natur  begünstigen,  legen  die  Farmer  nicht  genügend  Wert
auf  den  Bau  von  Grünfutter,  Luzerne  und  Mengkorn.  Zum  Teil
bringen  die  geschickten  Farmer  der  Westküste  es  fertig,  auf  neu  übernommenen ­
  Ländereien  die  Kopfzahl  ihres  Viehes  auf  das  Dreifache
zu  erhöhen.  Auch  die  unvorteilhaften  Marktverhältnisse  lasten  schwer
auf  dem  Farmer.  Wir  brauchen  ein  Gesetz,  wonach  alles  Vieh  nach
Gewicht  verkauft  werden  muß,  wie  es  in  Schottland  existiert  *).
Auf  denjenigen  Farmen,  die  für  vielseitige  Produktion  geeignet  sind,
dürften  die  Aussichten  auf  vermehrte  Produktion  am  besten  sein,  während
momentan  ihre  Inhaber  im  großen  Ganzen  amschlechtesten  mit  Kapital
versehen  sind  und  ihr  Land  am  schlechtesten  bestellen.  Diese  Kategorie
von  Leuten  ist  es,  die  die  wertlosesten  Weiden  in  England  besitzt  und
der  auch  die  Kenntnisse  fehlen,  um  sie  zu  verbessern.  Diese  Leute  lassen
ihren  Boden  derartig  hungern,  daß  sie  selten  mehr  als  ein  Drittel  oder
ein  Viertel  des  Erreichbaren  herausbringen.
Zweifellos  könnte  viel  Ödland  in  Ackerland  umgewandelt  werden.
In  manchen  Fällen  unterbleibt  es,  weil  der  Landwirt  daran  zweifelt,
die  Früchte  seiner  Arbeit  und  seines  Kapitals  zu  ernten,  in  anderen,
weil  er  nicht  die  nötigen  Mittel  hat  oder  nicht  abzuwarten  Geduld  hat,
0  Dieses  sich  hier  immer  wiederholende  Rusen  nach  neuen  Gesetzen  bildet
einen  merkwürdigen  Kontrast  zu  der  früher  in  England  beliebten  Politik  des
Gehenlassens;  und  dies  um  so  mehr,  als  es  aus  dem  Sinne  und  Geiste  der
liberalen  Regierung  heraus  erfolgt.
            
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