Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

Erstes  Kapitel.  Genossenschaftswesen.

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Die  Staatsunterstützung  ist  uns  später  als  auf  dem  Kontinent  zugefallen, ­
  doch  ist  sie  in  den  letzten  Jahren  stetig  vermehrt  worden;  im
Fiskaljahre,  das  mit  deni  31.  März  1913  endete,  wurden  180000  Mk.
dafür  ausgeworfen.  Man  hofft,  mit  der  Zeit  zwölf  bis  fünfzehn  Hauptgenossenschaften,
  die  das  ganze  Land  umspannen  sollen,  zu  gründen.
Zweites  Kapitel.  Kreditwesen.'
Das  Problem,  dem  kleineren  Farmer  und  Small  Holder  vermehrte ­
  Möglichkeiten  für  Kredit  zu  beschaffen,  ist  in  England  in  den
letzten  Jahren  vielfach  diskutiert  worden.  Unsere  Umfrage  hat  die
gegenwärtigen  Zustände  als  höchst  unbefriedigend  im  Sinne  des  kleinen
Farmers  und  Small  Holders  gezeigt.  Die  darin  liegenden  Schwierigkeiten ­
  bedeuten  eine  ernstliche  Beschränkung  der  landwirtschaftlichen  Entwicklung. ­
  Der  kleine  Mann  ist  oft  durch  Mangel  an  Kapital  und
Kredit  gezwungen,  seine  Produkte  weit  unter  dem  Marktpreis  zu  verkaufen, ­
  eine  geringe  Zahl  von  Vieh  zu  halten  und  seinen  Boden
schlecht  auszunützen.
Seitdem  die  alten  kleinstädtischen  Bankgeschäfte  von  den  Joint  Stock
Banks  absorbiert  sind,  ist  das  frühere  gute  Einvernehmen  zwischen
Farmer  und  Bankier  verschwunden.  Die  persönliche  Solidität,  ganz
abgesehen  vom  Besitz,  bildet  keinen  Sicherheitsfaktor  mehr.  Um  sich
kurze  Darlehen  zum  Ausgleich  der  der  Landwirtschaft  eigentümlichen
Periodizität  der  Einnahmen  zu  beschaffen,  muß  er  jetzt  oft  Kredit  bei
den  Händlern  nehmen.  Diese  Art  von  Kredit  ist  unerwünscht  wegen
der  hohen  Zinsen  und  der  Bindung  an  einen  bestimmten  Händler.
Noch  schlimmer  ergeht  es  dem  kleinen  Mann,  der  dem  Geldleiher  von
Beruf  (Wucherer)  in  die  Hände  fällt.  Um  aber  beim  Händler  zu
bleiben,  so  findet  sich  oft,  daß  er  die  Ernte  auf  dem  Halm  unter  Preis
zu  kaufen  pflegt  und  dadurch  ein  reicher  Mann  wird.  In  der  Hopfenindustrie ­
  ist  es  noch  schlimmer:  die  Verwalter  der  Hopfendarren  sind
immer  bereit,  Geld  vorzuschießen,  und  es  ist  wohl  nicht  zu  viel  gesagt,
daß  die  Hälfte  des  Hopfens  mit  geborgtem  Geld  produziert  wird.
Viele  Farnier  kaufen  auf  den  Auktionen  Vieh  auf  Kredit  und
zahlen  20  "o  für  einen  sechsmonatlichen  Kredit.
Es  herrscht  eine  Meinung  darüber,  daß  die  Kreditgenossenschaften
das  Allernötigste  für  den  Small  Holder  sind.  Leider  bestehen  erst
wenige  davon  mit  wenig  Mitgliedern,  besonders  im  Vergleich  mit
Deutschland.
            
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