27
die aus 240 Millionen preußischen Konsols und 160 Millionen
Mark Reichsanleihe bestand. Noch Ende März 1911 war ein
.Bestand von mehr als 100 Millionen Mark unverkauft vorhanden
und erst am 15. April 1911 konnte das Konsortium aufgelöst
werden, nachdem das Reich und die Seehandlung für
Rechnung des Tilgungsfonds erhebliche Beträge gekauft hatten.
Auch die 4o/oige Anleihe von 1910 (340 Millionen Mark Reichsund
140 Millionen Mark preußische Anleihe), die unter günstigen
Verhältnissen des Geldmarktes aufgelegt wurde, mußte
in größeren Beträgen zurückgekauft werden und erst ungefähr
ein Jahr nach der Emission waren die Bestände ausverkauft und
konnte sich das Konsortium auflösen.
Die Folge des sich Jahr für Jahr in hohen Beträgen
erneuernden Angebots von Staatspapieren mußte eine Ermäßigung
der Börsenpreise für diese Effekten sein, nicht etwa, weil
sich der Kredit von Reich und Bundesstaaten verschlechterte,
sondern weil dem großen Angebot eine genügend kaufkräftige
Nachfrage im Inlande nicht gegenüberstand und das
Ausland als Käufer deutscher Staatspapiere nur in verhältnismäßig
geringem Umfange in Frage kam. Der Kursrückgang
der deutschen Reichs- und Staatsanleihen hätte sich sicherlich
in engeren Grenzen gehalten, wenn sowohl das Reich wie
die Bundesstaaten es verstanden hätten, sich neue Einnahmequellen
zu schaffen. Leider wurde auf diesem Gebiete von den
Regierungen der Einzelstaaten, ganz besonders aber von der
Reichsfinanzverwaltung manches versäumt. Erst im letzten Jahrzehnt
raffte man sich im Reiche zu der Erkenntnis auf, daß es
mit der bis dahin betriebenen Politik des Schuldenmachens
nicht in gleichem Tempo weitergehen könne, wenn nicht schließlich
der Kredit des Reiches Gefahr laufen solle, eine Schädigung
zu erleiden. Nun erst sicherte man durch Einführung neuer
Steuern und Zölle dem Reiche erhöhte Einnahmen. Es mag
heute dahin gestellt bleiben, ob diese auch für alle Zukunft
ausreichen. Jedenfalls wird es notwendig sein, daß die
Reichsfinanzverwaltung den in den letzten Jahren aufgestellten
und durchgeführten Grundsatz: „Keine Ausgabe ohne Deckung“
unbedingt befolgt und ihre ganze Energie daransetzt, ständige