Full text : Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

Konkurrenten  erweisen.  Man  darf  daher  sagen,  daß  zweifellos
der  Rückgang  der  Staatspapiere  trotz  deren  starker  Vermehrung
nicht  in  dem  gleichen  Umfang  erfolgt  wäre,  wenn  nicht  gleichzeitig ­
  die  geldbesitzenden  Schichten  der  Bevölkerung  durch
das  für  sie  günstigere  Angebot  anderer  an  den  Geldmarkt
herantretender  Borger  dem  Staatsrentenmarkt  entfremdet  wären.
Die  außerordentlich  rasche,  wirtschaftliche  Entwicklung
Deutschlands  in  der  letzten  Friedensperiode  ist  aber  noch  in
anderer  Hinsicht  als  Hauptursache  für  den  Rückgang  der  Staatspapierkurse ­
  anzusehen.  Der  sich  in  dieser  Zeit  vollziehende  gewaltige ­
  wirtschaftliche  Aufschwung  bedeutete  nämlich  gleichzeitig ­
  eine  Starke  Vermehrung  des  Volksvermögens.  Hierfür
sprechen  die  Erträgnisse  des  zur  Einkommensteuer  veranlagten
Einkommens,  das  in  den  letzten  25  Jahren  überall  wesentlich
stärker  stieg,  als  die  Bevölkerung,  in  zahlreichen  Fällen  mehr  als)
doppelt  so  stark.  Als  weiteres  Symptom  für  die  Steigerung  des
Wohlstandes  kann  die  Vermehrung  der  Einlagen  bei  den  Sparkassen ­
  gelten,  deren  Betrag  sich  von  6,795  Milliarden  Mark  im
Jahre  1895  auf  14,5  Milliarden  Mark  im  Jahre  1908  erhöhte.
Die  schnelle  Vergrößerung  des  Volksvermögens  hatte  ein
Sinken  der  Kaufkraft  des  Geldes  oder,  was  dasselbe  ist,  eine  Verteuerung ­
  aller  Sachgüter  zur  Folge.  Dies  um  so  mehr,  als  diese
Periode  eines  schnellen  Wachsens  des  Volksvermögens  mit
einer  Zeit  starker  Vergrößerung  des  Goldvorrates  der  Erde  durch
starke  bergmännische  Produktion  zusammenfiel.  Es  ist  klar,
daß  eine  in  schnellem  Tempo  wohlhabender  werdende  Nation,
wie  die  deutsche,  aus  dieser  zur  Zeit  stark  strömenden  Quelle
neuen  Goldes  mehr  für  seine  Volkswirtschaft  schöpfen  mußte,
als  andere  Völker,  die  weniger  gewinnreich  und  weniger  intensiv
produzierten.  Hiergegen  kann  nicht  eingewandt  werden,  daß
der  größere  Teil  des  neu  in  die  deutsche  Volkswirtschaft  eindringenden ­
  Goldvorrates  für  industrielle  Zwecke  verwandt  wird,
denn  auch  dann  muß  er  sich  in  der  eben  angegebenen  Weise
bemerkbar  machen.  Nun  folgt,  wie  die  volkswirtschaftliche  Erfahrung ­
  lehrt,  die  Erhöhung  der  Löhne  der  Verringerung  der
Kaufkraft  des  Geldes  mit  einer  gewissen  Langsamkeit  und  in
einem  bestimmten  Abstand  nach.  Daher  mußten  die  kleinen
            
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