Full text : Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

stärkt  durch  die  Konkurrenz,  die  den  Staatspapieren  in  Deutschland ­
  durch  eine  große  Reihe  in  außerordentlichen  Mengen
äangebotener,  zum  Teil  ebenfalls  mündelsicherer  bezw.  den
Staatspapieren  an  Sicherheit  nicht  nachstehender  Obligationen
verschiedener  Art  bereitet  wurde,  die  ihren  Erwerbern  eine
höhere  Zinsrente  garantierten,  zweitens  durch  den  immer  stärkeren ­
  Wettbewerb  ausländischer  Wertpapiere.  Er  hatte  seine
Ursache  sowohl  in  der  weltwirtschaftlichen  Entwicklung
Deutschlands,  das  in  immer  engere  Fühlung  mit  allen  anderen
Kulturstaaten  gebracht  wurde,  wie  in  der  zunehmenden  Festigung ­
  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse  einer  Reihe  von  ausländischen ­
  Staaten,  deren  Anleihen  in  den  Augen  des  deutschen,
kapitalbesitzenden  Publikums  das  ihnen  früher  anhaftende  Moment ­
  der  Unsicherheit  der  Zinsrente  mehr  und  mehr  verloren,
endlich  in  der  im  deutschen  Volk  stets  vorhandenen,  im  Frieden
und  in  einer  Zeit  günstiger  volkswirtschaftlicher  Entwicklung
stärker  hervortretenden  Neigung  zu  Spekulationen  und  zum
Spiel.
Wenn  diese  Auffassung  richtig  ist,  und  für  ihre  Richtigkeit ­
  spricht,  daß  sie  von  allen  Finanzpolitikern  und  volkswirtschaftlichen ­
  Schriftstellern  geteilt  wird,  die  sich  mit  diesem
Problem  beschäftigten,  so  folgt  daraus,  daß  man  es  beim  Rückgang ­
  des  Kurses  der  Staatspapiere  mit  einer  durchaus  natürlichen ­
  Erscheinung  zu  tun  hat,  einer  Erscheinung,  die  man
keinen  Grund  hat,  zu  beklagen,  deren  man  sich  vielmehr  freuen
sollte,  weil  sie  Zeugnis  davon  ablegt,  daß  die  deutsche  Volkswirtschaft ­
  sich  im  Stadium  einer  überaus  kräftigen  Entfaltung
befindet,  für  die  sie  alle  finanzielle  Kraft  braucht.  Man  kann
J  o  11  e  s  durchaus  beipflichten,  wenn  er  ausführt  („Tag"  vom
28.  Juli  1912),  „wer  eine  Erhöhung  des  Staatspapierkurses
kerbeisehne,  müsse  den  Niedergang  der  produktiven,  wirtschaftlichen ­
  Kraft  wünschen.  Das  gewerbliche  Kapital  müsse  seine
besten  Eigenschaften  eingebüßt  haben,  ehe  der  Reiz  der  festen
Verzinsung  sich  wieder  voll  entfalten  könne.  Darüber  dürfe
man  sich  nicht  täuschen:  der  eine  Bereich  des  Kapitals  werde
immer  auf  Kosten  des  anderen  leben".  Allerdings  ergibt  sich
aus  dieser  Sachlage  für  den  borgenden  Staat  eine  gewisse
Meltzing,  Staatspapierkurs.  3
            
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