Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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Maximum  der  Produktion  vorgeschrieben  ist  —  und  darum  handelt
es  sich  bei  uns  —,  zumal  bei  längerer  Dauer  des  Kartells,  kein  so
elementarer  als  bei  freier  Produktion.  Eine  vollständige  Kontingentierung ­
  der  Produktion  nach  Leistungsfähigkeit  und  Rentabilität  ist
noch  nicht  einmal  versucht  worden  und  ist  bei  einem  Kartell  auch
nicht  durchführbar.  Nein,  eine  Beherrschung  der  Produktion  ist  nur
möglich,  wenn  von  der  Zentrale  aus  zu  jeder  Zeit  „je  nach  dem  Verhältnis ­
  der  Produktion  zum  Absatz  und  gegenüber  jedem  beliebigen
Werke  die  Aufgabe  des  Betriebes  im  Besten  der  Gesamtheit  schlechtweg ­
  dekretiert  werden  kann 1 ).“
Man  kann  nicht  ernstlich  daran  glauben,  daß  ein  Kartell  oder
Syndikat  eine  Gesundung  der  Verhältnisse  auf  die  Dauer  herbeiführen ­
  kann.  Ein  Kartell,  eine  vertragsmäßige  Vereinigung  von
selbständigen  Unternehmern  auf  Zeit.  Und  nun  gar  dieser  Unzahl
von  kleinen  und  kleinsten  Unternehmern  gegenüber.  Zugegeben,
daß  eine  Einkaufsorganisation  auf  dem  Boden  eines  Kartells  möglich
ist.  Die  Erfüllung  des  Endzweckes  des  Kartells  muß  daran  scheitern,
daß  es  auf  der  Basis  eines  kündbaren  Vertrages  beruht.  „Viele
Köche  verderben  den  Brei!“  Es  wirken  zu  viele  Sonderinteressen
im  Kartell  zusammen,  die  Folge  ist,  daß  vor  jeder  einschneidenden
Maßregel  lange  Verhandlungen  gepflogen  werden  müssen,  oder  es
kommt  zu  Reibereien  und  Prozessen.  Im  letzten  Grunde  folgt  hieraus
auch  der  Mangel  an  Kapitalkraft;  der  Fortbestand  des  Kartells  ist
zu  unsicher,  als  daß  auf  dieser  Basis  große  Kapitalien  gesammelt
werden  könnten.  Darin  liegt  aber  das  Unvermögen  begründet,  eine
Kontingentierung  der  Produktion,  eine  Ausgleichung  der  Produktionsbedingungen ­
  zu  finden.  AbsichÜich  wurde  der  Begriff  „Trust“  bisher ­
  nicht  erwähnt.  Wir  sind  jetzt  ganz  von  selbst  dahin  gelangt,
den  Trust  als  das  —  wenigstens  theoretisch  —  erstrebenswerte  Ziel
der  baumwollindustriellen  Organisation  zu  erkennen.  Die  Frage  der
praktischen  Durchführbarkeit  bedarf  denn  doch  einer  gründlicheren
Prüfung,  als  daß  sie  im  Rahmen  dieser  Arbeit  noch  behandelt  werden
könnte.  Nach  dem  früher  Gesagten  leuchtet  übrigens  ohne  weiteres
ein,  daß  die  Spinnerei  bei  weitem  mehr  Fähigkeit  zur  Trustorganisatiort
  besitzt  als  die  Weberei.
Der  Trust  beruht  zunächst  einmal  nicht  auf  der  Basis  von  Verträgen, ­
  sondern  auf  der  Basis  von  Besitz.  Das  einzelne  Unternehmen
verliert  seine  Selbständigkeit,  der  Einzelunternehmer  wird  Trustaktionär, ­
  die  Leitung  liegt  in  der  Hand  einer  umsichtigen,  starken
Persönlichkeit,  Einkauf,  Produktion,  Absatz  sind  konzentriert.  Daraus

i)  E.  Harmening,  a.  a.  O.  S.  15.

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