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die dem größeren Teil der Gesamternte erforderlichenfalls Unterkunft
bieten; ferner will sie als Selbstkäuferin auftreten, den Pflanzern
Vorschüsse gewähren, „kurzum ein umfassendes Bankgeschäft betreiben,
das als Sicherheit die lagernden Ballen besitzt“. Die Gesellschaft
soll mit einem Grundkapital von 20 Milk Dollars arbeiten, die
feuerfesten Lagerräume sollen 10 Millionen Ballen (!) Raum gewähren,
damit wäre den Pflanzern Gelegenheit gegeben, ihre Ernte aufzubewahren,
falls die Preiskonjunkturen für sie schlecht sind. Soweit
ließe sich wohl nichts gegen das Unternehmen einwenden, denn man
muß bedenken, daß bei der letzten Hausse Spinner und Pflanzer die
Leidtragenden gewesen sind, den Gewinn haben die Spekulanten
eingeheimst. Aber die Medaille hat auch eine Kehrseite: Die Gesellschaft
beabsichtigt Lagerscheine auszugeben, die der Spekulation
dienen sollen; und dann: an der Spitze der Gründung steht Mr. Daniel
J. Sully. Ja, wenn die Lagerhäuser öffentlich wären, jedermann
durch zuverlässige Berichte immer über die vorhandenen Warenmengen
orientiert wäre! Aber so, ohne staatliche Kontrolle, haben
die Baumwollkonsumenten keinen Vorteil, nur Nachteil davon zu erwarten.
Direkt gegen die Uberspekulation gerichtet ist der Plan der
Baumwollbörse in New-York, ein Clearing-House zu errichten. Es
würde das ungefähr dieselben Funktionen zu erfüllen haben, die die
Hamburger Warenliquidationskasse zu erfüllen hat. Damit wäre allerdings
eine übermäßige Spekulation unterbunden, und es wäre zu
wünschen, daß der Plan sobald wie möglich ausgeführt würde. Wie
schon gesagt, hat man auch auf dem 1. internationalen Kongreß von
Baumwollindustrielien über Baumwoll-„Corner“ und ihre Bekämpfung
eingehend diskutiert. Es sind sogar zwei bestimmte Vorschläge gemacht
worden. Der eine, von Mr. J. L. Tattersall, bezweckte die
Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, der sowohl
Pflanzer wie Spinner angehören sollten. Das wäre nichts anderes
als eine Übertragung der Organisation der Bremer Baumwollbörse
auf eine internationale Assoziation. Der andere Vorschlag ging von
Herrn Küffler (Österreich) aus und regte die Bildung einer internationalen
Einkaufsgenossenschaft der Spinner an. So bestechend
diese Vorschläge auch sein mögen, ihrer praktischen Durchführbarkeit
stehen doch große Hindernisse entgegen. Das hat man auch auf
dem Kongreß eingesehen, nachdem man sich die Sache ruhig überlegt
hatte. Die Verbrüderung der Welt ist noch nicht so weit gediehen,
daß sie für ein derartiges großes Unterfangen ein geeignetes
Fundament bildete. Die nüchternste Auffassung von der Sachlage
legte ein andrer Engländer, Mr. J. B. Tattersall, an den Tag, in-Abhandlungen
d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. III, Heft B. 7
Lochmüller, Entwicklung der deutschen Baumwollindustrie.