Schluß.
Wenige Worte bleiben uns noch zu sagen übrig.
Die deutsche Baum Wollindustrie steht als Weltindustrie an dritter
Stelle. Die erste nimmt die englische, die zweite die der Vereinigten
Staaten ein. In England beherrscht die Baumwolle fast das ganze
wirtschaftliche Leben, und vielleicht der vierte Teil des englischen
Volkes lebt von der Nahrung, die gegen Baumwollwaren eingetauscht
wird. Die Entwickelung der Baumwollindustrie der Union hat in
verhältnismäßig kurzer Zeit ungeahnte Formen angenommen, das
Tempo der Entwickelung übertrifft das der englischen und der deut
schen bedeutend, und dabei beginnt erst jetzt die eigentliche Aus
nutzung der natürlichen Vorteile des Landes, das schon lange die
meisten Kohlen und das meiste Eisen fördert.
Wie nun, wenn die Baumwollindustrie in New-England und den
Südstaaten der Union so fortfährt sich zu entwickeln? Woher soll
dann die europäische, die deutsche Baumwollindustrie den nötigen
Rohstoff beziehen? Das ist die bange Frage, die heute in der Luft
schwebt und an deren Lösung unsere Kolonialpolitiker unausgesetzt
arbeiten.
Schon vor mehr als 100 Jahren, als man von amerikanischer
Baumwolle nicht viel wußte, sah ein weitschauender Geist, J. G. Fichte,
voraus, daß wir dereinst in eine solche Lage kommen würden. In
seinem „geschlossenen Handelsstaat“ weist er darauf hin, daß es auch
in unserm Klima an Substraten für Baumwolle nicht fehlen würde,
wenn man sich die Mühe nähme, verschiedene wolletragende Pflanzen
zu veredeln. „Tragen nicht mehrere Grasarten, Stauden, Bäume in
unseren Klimaten eine wohl ebenso feine und durch Kultur noch
sehr zu veredelnde Wolle?“ 1 ) Er erinnert gleichzeitig daran, daß
unsere Getreidearten ursprünglich nichts anderes als Gras waren. Die
Perspektive, die sich damit seinem Blick eröffnete, war eine für uns
auf den ersten Blick überraschende. Die ausgedehnte Kultur der
wollenreichsten Pflanzenart, die Erfindung der zweckmäßigsten Ma
schinen zur Einsammlung und Zubereitung der Wolle würden uns i)
i) J. G. Fichte, Der geschlossene Handelsstaat 1800, S. 262—63 Anmerkung.