fullscreen: Bevölkerungslehre

278 . Zweiter systematisch-theoretischer Teil 
hat das Volkswachstum in der langen Linie auch bisher immer ge- 
habt — daß die Steigerung der Volkszahl zu einer immer stärkeren 
und vollkommeneren Ausnutzung der natürlichen Voraussetzungen 
eines Landes führt, daß die Produktionskraft der menschlichen 
Arbeit stärker zunimmt, als es der Zunahme der Bevölkerung 
selbst‘ entspricht. Unter‘ solchen Voraussetzungen müssen sich die 
Verhältnisse von Bevölkerung und Wirtschaft ganz anders gestalten 
als da, wo solche Erfolge nicht möglich sind. # 
Je nachdem aber die Produktionsleistungen mit steigender Volks- 
zahl Schritt halten oder sogar noch darüber.hinausgehen oder aber 
dahinter zurückbleiben, müssen damit selbst wieder starke Einflüsse 
auf den Umfang und die Art des Volkswachstums ‘entstehen. Wir 
haben es hierbei, wie schon mehrfach betont, mit den allerengsten 
Wechselbeziehungen zu tun. Das sind Zusammenhänge, die noch 
deutlicher hervortreten werden, wenn im folgenden die Wege und 
Formen des Volkswachstums besprochen werden. 
Schon vor dem Weltkriege konnte man in den meisten Kultur- 
staaten, ganz besonders stark aber auch in Europa, gewisse Tendenzen 
beobachten, die auf eine gewisse Verminderung der Zuwachsrate 
hindeuteten. Diese Tendenzen, die damals noch recht schwach 
waren, haben seit dem Ende des Weltkrieges erheblich zugenommen. 
Die Wandlungen, die hier in Frage kommen, sind auf eine Ver- 
minderung des Geburtenüberschusses zurückzuführen. Das wird aus 
der folgenden Tabelle für eine Reihe europäischer Staaten ersichtlich. 
Es betrug der Geburtenüberschuß auf 1000 Einwohner 
im Durchschnitt der folgenden Jahre 
:881—900 ' 1891—00 | 1901—10 | 1910—13 | 1920—22 | 1923—26 
Deutsches Reich 
Frankreich 
Italien 
England u. Wales 
Schottland 
Niederlande 4 
Dänemark 
Belgien 
Schweiz 
Norwegen ] 
Schweden 
„1,7 
1,8 
10,4 
13:3 
13:1 
13,2 
13,3 
9,6 
7:3 
13,9 
12,2 
13,9 
0,6 
10,8 
{1,7 
11,7 
{4,1 
‘2,5 
3° 
3.X 
141 
10,7 
14:2 
1,2 
11,1 
11,8 
11,8 
15,3 
4:4 
2 
„Du 
13, 
10.9 
13,0 
0,5 
12,4 
10,1 
10,4 
15,0 
13:4 
8,3 
9,1 
12,5 
10,8 
[0,2 
3:0 
12,8 
10,3 
11,5 
15,7 
12,0 
7:9 
71 
] 13,2 | 
8x 
8,1 
1,8 
I 13 
6,3 
8,3 
14,9 
10,3 
6,6 
6,7 
10,1 
6.1 
In den ersten Jahren nach Beendigung des Weltkrieges ist diese 
Tendenz zu einer Abnahme der Geburtenüberschüsse noch 
nicht so deutlich und so stark hervorgetreten, wie in der allerjüngsten
	        
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