Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

bar  mit  5  °/ 0  p.  a.  Diskont  für  3  Monate,  vom  Tage  des  Verkaufs
an  gerechnet,  zu  erfolgen  (B.  §  60).
Der  Lokohandel  erwies  sich  als  unzureichend,  sobald  größere
Mengen  von  Baumwolle  gebraucht  wurden,  der  Verlust  von  Zeit  und
Geld,  der  durch  die  Anlage  großer  Lager  erwachsen  wäre,  die  Verschärfung ­
  der  Konkurrenz  drängten  auf  Abkürzung  der  zwischen
Produktion  und  Konsumtion  vergehenden  Zeit.  Aus  diesem  Bestreben
heraus  ist  der  Lieferungshandel  nach  Muster  hervorgegangen.  Er  ist
seit  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  die  bei  weitem  überwiegende
Art  des  Vertragsabschlusses.  Zunächst  noch  ein  individueller  Lieferungshandel, ­
  wird  er  im  letzten  Drittel  des  Jahrhunderts  zum  generellen ­
  Lieferungshandel  auf  Grund  von  Durchschnittsproben,  sog.
Standards.  Bei  dieser  Art  des  Kaufs  braucht  der  Käufer  nicht  einmal ­
  die  Probe  zu  sehen.  Die  Standards  sind  die  Normaltypen  der
Warenqualitäten,  ähnlich  wie  der  in  Paris  aufbewahrte  Platinstab
das  Normal-Metermaß  darstellt.  In  Bremen  werden  die  Standards
mindestens  einmal  jährlich  auf  Grund  der  Standards  der  Liverpool
Cotton  Association  durch  eine  Kommission  festgestellt  und  durch
den  Direktor  des  Baumwoll-Probenzimmers  aufbewahrt.  Die  Lieferungskaufverträge ­
  in  Bremen  lassen  sich  kurz  folgendermaßen  charakterisieren. ­

Bei  den  Verkäufen  „auf  Lieferung“  ist  die  Baumwolle  binnen
der  im  Vertrage  festgesetzten  Zeit  zu  liefern,  und  zwar  mindestens
in  Posten  von  10000  kg  (B.  §  62).  Wird  die  Lieferzeit  nicht  innegehalten, ­
  so  steht  dem  Käufer  das  Recht  zu,  den  Kaufvertrag  zu
„regulieren“  (s.  weiter  unten).
Das  Gewicht  der  Lieferung  soll  bei  amerikanischer  Baumwolle
durchschnittlich  netto  betragen;
22  593  kg  per  100  Ballen  Texasbaumwolle,
21  528  „  ,,  100  „  Gulfbaumwolle,
20  675  ,,  „  100  „  aller  anderen  Provenienzen.
Das  Gewicht  indischer  Baumwolle  soll  netto  betragen;
178  kg  per  Ballen  Surate,  Bengal,
227  „  ,,  ,,  Timivelly.
Eine  Abweichung  von  5  °/ 0  ist  erlaubt  (B.  §  66).
Verkäufe  „auf  Ankunft  (to  arrive)“  sind  solche,  bei  denen  die
Zeit  oder  Art  der  Abladung,  bezw.  die  stattfindende  Entlöschung
der  Baumwolle  vereinbart  worden  ist.  Für  den  Fall,  daß  eine  Partie
Baumwolle  ganz  oder  teilweise  durch  höhere  Gewalt  verloren  geht,
ist  der  Verkauf  für  die  verloren  gegangene  Baumwolle  erloschen.
Lautet  der  Kaufvertrag  auf  „franco  Waggon“,  so  hat  der  Verkäufer ­
  die  Baumwolle  in  versandfertigem  Zustande  zu  liefern  und  die
            
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