Full text: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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Handlung mit Kupferoxydammoniak und einer Säure hat Entstehung 
von Zellulose zur Folge. Die bloße Faser wird vielfach zu Watte 
verarbeitet und diese wieder durch Imprägnierung mit geeigneten 
Substanzen zu Verbandwatte. Auch die Samenkörner sind von großem 
Wert. Aus ihnen wird ein Öl gepreßt, das in Frankreich häufig als 
Ersatz bezw. zur Verfälschung des Olivenöls dient. Aus den Rück 
ständen gewinnt man Ölkuchen, die als Viehfutter Verwendung finden. 
Die Verarbeitung der Baumwollsaat beschränkt sich beinahe auf Nord 
amerika und steht sozusagen unter der Kontrolle einer großen Ge 
sellschaft, der „American Cotton Oil Company“. 
Weitaus die größte Bedeutung hat die Baumwolle aber doch 
als Spinn- und Webstoff. Die Verarbeitung der Baumwolle zu Garn, 
ferner zu Zwirn, Tüchern, Strümpfen, Hemden, Spitzen, Samt usw. 
usw., die ursprünglich nur in den Produktionsländern in primitiver 
Weise gehandhabt wurde, ist heute eine Weltindustrie geworden, die 
nicht nur unmittelbar einer großen Anzahl von Menschen Brot gibt, 
sondern ihren Wirkungskreis auch mittelbar auf so viel andere 
Industrien — ich nenne nur die Eisenindustrie und die chemische 
Industrie — und andere Gebiete der Volkswirtschaft erstreckt, daß 
von ihrem Gedeihen das Wohl großer Volksschichten, ja ganzer Länder 
abhängt. 
Die Baumwollindustrie zerfällt naturgemäß in die beiden Zweige 
der Spinnerei und Weberei, ferner aber gehören dazu Färbereien, 
Bleichereien, Appreturanstalten und Druckereien. Ohne in die Technik 
dieser einzelnen Zweige der Industrie einzudringen, glaube ich doch 
einige technische Grundbegriffe angeben bezw. erklären zu müssen. 
Beim Spinnen des Garns haben wir drei Vorgänge zu unterscheiden: 
i. das Ausziehen gleichmäßig verteilter, von allen Unreinigkeiten be 
freiter Fasern, 2. das Zusammen drehen derselben zu beliebig langen 
Fäden und 3. das Aufwickeln der Fäden. Diese Arbeiten können 
mehr oder weniger mit der Hand oder mit maschinellen Einrichtungen 
vorgenommen werden; man unterscheidet demnach eine Hand- und 
Maschinenspinnerei. Bei der Handspinnerei ist die einzige mechanische 
Vorrichtung das Spinnrad, bei der Maschinenspinnerei b bleibt fast die 
ganze Behandlung vom Eintreffen der Baumwolle in der Fabrik an 
den Maschinen überlassen. Maschinen öffnen die Baumwollballen, 
reinigen und lockern die Baumwollflocken, besorgen die regelmäßige 
Verteilung und Parallellage der Fasern, Maschinen liefern das Vor- 
1) Vgl. hierzu Lüger, Lexikon der gesamten Technik, Artikel „Baumwollspinnerei“, 
Bd. II, S. 72 ff.
	        
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