Full text: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

umfaßte der Umsatz der Händler 6000 Stück Ware im Werte von 
36—40000 Talern 1 ). Dann führten aber die Zeiten des siebenjährigen 
Krieges die Steigerung der Rohstoffpreise und die Veränderungen 
in der Fabrikationsweise eine Absatzstockung herbei. Der Preis der 
mazedonischen Baumwolle, der um das Jahr x6i8 pro Ztr. 12 — i8Tlr., 
1683 26—28 Tlr. betrug, stieg 1770 auf 36 Tlr., die smyrnaische galt 
46—48 Tlr., westindische 50—51 Tlr. 2 ). Demgegenüber blieben die 
Warenpreise gedrückt. Angesichts dieser Verhältnisse schloß die 
Plauener Händlerinnung mit einigen Innungsverwandten im Voigt 
lande 1772 ein Übereinkommen ab, das auf die Erzielung von Minimal 
preisen gerichtet war, allerdings ohne damit auf die Dauer Erfolg zu 
haben 3 ). Jedenfalls ist es interessant zu beobachten, daß schon damals 
der Versuch gemacht wurde, durch Preiskonventionen Preisschleude- 
reien vorzubeugen. 
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beginnt für Spinnerei und 
Weberei eine ganz neue Epoche, die hervorgerufen wird durch die 
Erfindung zeit- und arbeitsparender Maschinen: wir treten ein in das 
Zeitalter des Fabriksystems. Es ist ein Umschwung, der nicht nur 
die Baum wollindustrie, aber diese zu allererst, um gestaltete, der zuerst 
England, dann den europäischen Kontinent und Amerika ergriff und 
die wirtschaftlichen Verhältnisse der Welt verschob. Die Spinn 
maschine und der mechanische Webstuhl legten den Grund zu der 
Baumwollindustrie, wie sie heute besteht. Aber man vergißt gewöhn 
lich hinzuzufügen, daß diese Erfindungen fast wertlos gewesen wären, 
wenn nicht gleichzeitig die Erfindung der Sägenentkörnungsmaschine, 
der „Sawgin“, hinzugekommen wäre. Erst diese ermöglichte es, der 
Nachfrage, die proportional der Leistungsfähigkeit der Spinnmaschinen 
wuchs, gerecht zu werden. Schließlich kam noch hinzu, daß die 
Kraft des Dampfes an die Stelle der ursprünglichen Wasserkraft und 
die Steinkohle an die der Holzkohle trat. 
Die genannten Erfindungen sind an die Namen von Ange 
hörigen des britischen Volkes geknüpft 4 ). Der Engländer J. Har- 
greaves brache die Spindel des alten Spinnrades aus der wagerechten 
in eine vertikale Stellung und erreichte durch dies einfache Kunst- 
1) L. Bein, a. a. O. S. 76. 
2) Ebenda S. 84. 
3) Ebendaselbst. 
4) Man begegnet zwar verschiedenen Meinungen bezgl. der Personen der ersten Er 
finder, u. a. findet man auch den Hinweis darauf, daß die Engländer sich hie und da auf 
Erfindungen von Deutschen stützen konnten. Diese tragen indessen mehr den Charakter von 
technischen Spielereien an sich, praktische Brauchbarkeit erlangten erst die Maschinen 
d« genannten Briten.
	        
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