Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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zu  einer  nationalen.  Um  der  übermäßigen  Einfuhr  von  Baumwollgarn
zu  steuern  wurde  der  Zollsatz  auf  2  Tlr.  erhöht  (1832),  gleichzeitig
wurde  die  Einfuhr  der  Rohbaumwolle,  die  vorher  aus  finanziellen
Gründen  mit  einem  geringen  Zollsatz  belegt  war,  freigegeben.  Die
Regierungen  suchten  die  Spinnereien  dadurch  zu  unterstützen,  daß
sie  Geldprämien  gewährten  und  englische  und  amerikanische  Mustermaschinen ­
  an  sie  verliehen 1 ).  Indessen  war  die  Beschaffung  derselben ­
  mit  großen  Umständen  und  Kosten  verbunden.  1785  wurde
z.  B.  ein  Deutscher  mit  500  £  bestraft,  weil  er  Manchester  besucht
hatte  und  Baumwollarbeiter  nach  Deutschland  locken  wollte,  1786
ein  anderer  Deutscher  mit  200  £,  weil  er  Maschinen  nach  Deutschland
exportieren  wollte 2 ).  Daher  bedeutete  es  für  die  gesamte  deutsche
Baumwollindustrie  ein  großes  Glück,  als  England  1842  seine  Tore
zur  Ausfuhr  von  Textilmaschinen  öffnete.  Die  deutsche  Maschinenindustrie ­
  war  nicht  fähig,  die  nötigen  Spinn-  und  Webmaschinen  zu
liefern.  —  Auch  heute  noch  sind  wir  in  dieser  Hinsicht  nur  zu  sehr
von  unsern  Vettern  jenseits  des  Kanals  abhängig.  —-  Erst  nachdem
unsere  deutschen  Fabrikanten  ihre  bis  dahin  recht  handwerksmäßigen
Fabriken  im  größeren  Umfange  mit  modernen  Maschinen  ausrüsten
konnten,  war  die  Spinnerei  fest  auf  die  Füße  gestellt.  Das  dritte
Moment  endlich,  das  den  Aufschwung  des  Handels  und  der  Industrie
seit  Ende  der  dreißiger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  veranlaßte,
ist  die  Entwicklung  des  Eisenbahnwesens.  Nebenher  schreiten  die  Ausbildung ­
  des  Bankwesens,  des  Handelsrechts  und  der  Gewerbegesetzgebung ­
  und  —  last  not  least  —  die  Errichtung  von  Gewerbe-,  Realund
  höheren  technischen  Schulen.
In  den  dreißiger  und  vierziger  Jahren  beginnt  zuerst  das  private
Kapital  in  die  Spinnerei  einzuströmen,  es  werden  Aktiengesellschaften
gegründet,  zunächst  mit  persönlichen  Anteilscheinen,  späterhin  mit
Aktien,  die  auf  den  Inhaber  lauten.  Als  glücklicher  Umstand  kam
hinzu,  daß  das  ganze  vierte  Jahrzehnt  im  allgemeinen  unter  günstiger
Konjunktur  stand.  Als  dann  im  fünften  ein  Rückschlag  eintrat,  war
der  Vorteil  so  offenkundig  auf  seiten  der  nach  englischem  Muster
zuerst  als  persönliche,  später  als  unpersönliche  Aktiengesellschaft  eingerichteten ­
  Spinnereien,  daß  von  da  an  die  Hausindustrie  in  der
Spinnerei  dem  Untergang  geweiht  war.  Daß  die  Spinnerei  sich  soweit ­
  entwickeln  konnte,  ohne  daß  sie  durch  Zölle  sonderlich  geschützt
oder  gar  künstlich  groß  gezogen  worden  wäre,  kann  als  ein  Zeichen
1)  Bienengräber,  Statistik  des  Verkehrs  und  Verbrauchs,  Berlin  1868,  S.  196.
Vgl.  auch  L.  Bein,  a.  a.  O.  S.  120,  136,  154.
2)  Th.  Ellison,  The  Cotton  Trade  of  Great  Britain,  London  1886,  p.  28.
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Abhandlungen  d.  staatsw.  Seminars  7..  Jena,  Bd.  IIT,  Heft  3.
Lochmüller,  Entwicklung  der  deutschen  Baumwollindustrie.
            
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