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gemeine Erniedrigung der Generalunkosten. Im übrigen verweise
ich vor allem auf des mehrfach zitierte Buch von G. v. Schulze-
Gävernitz; „Der Großbetrieb, ein wirtschaftlicher und sozialer Fort
schritt“. Leipzig 1892.
Der Übergang vom Handwerk und der Hausindustrie zum fabrik
mäßigen Großbetrieb gestaltet sich nicht überall gleichmäßig und
glatt. Er bringt viele kleine Existenzen um ihr Brot, der Betrieb
selbst ist im Anfang teuer und unregelmäßig. Hier ist die Maschine
der verhaßte Tyrann, gegen den sich die Erbitterung der Arbeiter
in zahllosen Exzessen Luft macht 1 ). Aber sobald diese „Kinderkrank
heiten des Großbetriebes“ überwunden sind, treten die Vorteile zutage,
und mancher Hausindustrielle gibt seine Selbständigkeit auf, um dafür
die Anwartschaft auf höheren und sicheren Verdienst einzutauschen.
Die Stücklöhne werden geringer, dabei steigert sich der Wochen
verdienst des Arbeiters, weil er mit der Maschine mehr schaffen
kann. Dies Verhältnis tritt noch mehr zutage, je größer der Betrieb,
je größer die Kraftmaschinen sind. Der Preis der Maschinen und
die Betriebskosten wachsen nämlich nicht proportional der Kraft
leistung, sondern diese wächst in viel stärkerem Maße 1 2 3 ), entsprechend
können auch die Löhne steigen. Beim Hausbetrieb War der Verdienst
des Arbeiters je nach den Konjunkturen ein bedenklich hin und her
schwankender, beim Großbetrieb ist er nahezu ein fester.
Um die Mitte des Jahrhunderts beginnt auf allen Gebieten des
wirtschaftlichen Lebens in Deutschland die moderne Entwicklung. Es
ist darum nicht mehr wie billig, wenn wir hier einmal Halt machen
und Umschau halten.
Lesen wir Berichte über die Entwicklung der deutschen Baum
wollindustrie bis ungefähr zu dieser Zeit — die übrigens dünn gesät
sind —, so finden wir durchgängig Klagen darüber, daß die Spinnereien
nicht mit der Zeit fortschreiten. Bienengräber bemerkt 8 ), die ersten
Spinnereien seien vielfach ohne Sachkenntnis und Kapital einge
richtet worden und hätten zu ihrem Nachteil veraltete Maschinen
systeme viel zu lange beibehalten. Ebenso klagt A. Beer in seiner
„Allgemeinen Geschichte des Welthandels“ 4 * ), daß die deutschen Spinne
1) G. von Schulze-Gävernitz, a. a. O., S. 64. — L. Bein, a. a. O. S. 209.
2) Vgl. die eingehende Berechnung bei R. Jannasch, Die Produktionsbedingungen
der europäischen Baumwollindustrie, Zeitschrift des Kgl. Preuß. Stat. Bureaus, Jahrg. 1881,
S- 300.
3) A. a. O. S. 194.
4) Ad. Beer, Allgemeine Geschichte des Welthandels, Wien 1864—1884, Bd. III,
i, S. 82.