Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

32

faches  Garn  bis  No.  ig  engl.  12  M.,  No.  20  bis  45  18  M.,  No.  46
bis  59  24  M.,  No.  60  bis  79  30  M.,  über  No.  79  36  M.  Der  „Zentralverband ­
  deutscher  Industrieller“  hatte  für  die  eindrähtigen  rohen  Garne
folgende  Zollsätze  beantragt:
bis  No.  22  engl.  12  M.  pro  100  kg
über  No.  22  bis  No.  44  18  „  „  „  „
»»  ,,  44  24  »  »  »
Der  Reichstag  ging  in  Anlehnung  an  die  Vorschläge  des  Bundesrats ­
  noch  über  diese  letzten  Anträge  hinaus,  wobei  den  Spinnern
gewiß  ihre  relativ  „leichte  Organisationsfähigkeit“  l )  zu  statten  kam,
und  differenzierte  die  Zollsätze  noch  mehr  nach  dem  Werte.  Von
1879  an  haben  zu  zahlen  Garne,  eindrähtig,  roh

bis  No.  17  en

gl-12



M.  pro  ioo  kg

über  No.

17  bis  No.

45

18

33  33  D  33

„  „

45  -  ..

60

24

33  »3  3»  33

„  „

60  „

79

3°

33  5  3  33  53

33  33

79

36

33  33  33  33  )

Die  zweidrähtigen  und  die  gefärbten  Garne  haben  dementsprechend
höheren  Zoll  zu  entrichten.  Gewebe  wurden  ebenfalls  nach  einem
Staffeltarif  bezollt,  dessen  Sätze  sich  zwischen  80  und  350  M.  bewegten. ­

Das  Interesse  der  Weberei  spricht  im  allgemeinen  gegen  die
Verteuerung  der  feinen  Garne,  aber  einerseits  hatte  der  Freihandel
abgewirtschaftet  und  andererseits  war  die  Fülle  der  kleinen  selbständigen ­
  Webermeister,  denen  nur  eine  beschränkte  Anzahl  Großindustrieller ­
  gegenüberstehen,  im  Gegensatz  zu  den  Spinnern  „ungeeignet ­
  zur  Propaganda  ihrer  Interessen“ 1  2  3 ).  Durch  die  hohen  Zölle
auf  feine  Webwaren  wird  dieser  Nachteil  einigermaßen  kompensiert.
Dem  Gesetzgeber  kam  es  darauf  an,  Deutschland  auch  in  bezug  auf
Feingarne  vom  Auslande  unabhängig  zu  machen.  Und  das  war  für
die  Allgemeinheit  sicher  mehr  von  Vorteil  als  eine  kleinbürgerlichsentimentale ­
  Rücksichtnahme  auf  jene  zurückgebliebenen  Existenzen.
In  der  6.  Generalversammlung  des  Vereins  für  Sozialpolitik  am  21.
und  22.  April  1879  war  es,  wo  der  Freihändler  Dr.  J.  Gen  sei  die
typische  Anschauung  des  Freihandels  in  die  Worte  kleidete:  Die
1)  W.  Lotz,  a.  a.  O.  S.  126.
2)  Ein  Antrag  des  Elsässers  Dollfus  auf  eingehende  Klassifikation  und  dementsprechende ­
  Zollabstufung  für  die  Nummern  über  No.  79  wurde  abgelehnt  (Reichstagsdrucksachen, ­
  4.  Legislaturperiode,  II.  Session,  1879,  No.  305).
3)  W.  Lotz,  a.  a.  O.  S.  126.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.