Full text: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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Produktion für eine Reihe von Jahren auf Grund verschiedener 
Berechnungen gegeben, daneben die Einfuhr und Ausfuhr von Baum 
wollgarn und durch Addition der Mehreinfuhr zur inländischen Pro 
duktion der inländische Konsum von Garn berechnet. Schließlich 
wird dann die Einfuhr zu dem Verbrauch in Verhältnis gesetzt. Bei 
der Prüfung dieser Zahlen sind mir kleine Fehler aufgefallen. Ich 
will deshalb die Berechnung selbständig nach ein und demselben 
Gesichtspunkt vornehmen: die Produktion berechne ich aus den vom 
„Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich“ angegebenen Zahlen 
für den Verbrauch von Baumwolle (Rohbaumwolle und Baumwoll- 
abfälle), indem ich als Abgang zur Wattefabrikation und als Verlust 
beim Spinnen 20 °/ 0 in Abzug bringe. Es ergibt sich folgende 
Tabelle: 
Im Durchschnitt 
des 
Quinquenniums 
Inländische 
Produktion 
(dz) 
Verbrauch 
(dz) 
Anteil der 
Einfuhr am 
Verbrauch 
°/ 
Io 
1871—1875 
931 120 
1 096 450 
19,8 
1876—1880 
996 390 
1 085 I IO 
■ 7.5 
1881—1885 
1218 630 
1 330 300 
15,0 
1886—1890 
1 608 370 
1 750 810 
12,1 
1891—1895 
2 019 050 
2 I 15 120 
8,4 
1896—1900 
2 418 530 
2 555 i 4 o 
9,0 
speziell 1897 
2 303 100 l ) 
— 
— 
1901 
2612 610 
2 652 330 
6,05 
1902 
2 685 too 
2 726 140 
(>,3 
1903 
2 957 9°o 
3 029 760 
b,3 
In der Zeit von 1871/75 bis 1896/1900 ist die Produktion mithin um 
160% angewachsen, der Verbrauch aber nur um 133%. Berechnet 
man aus den Verbrauchszahlen die Produktion von Webwaren (= ca. 
95°/o des Garnverbrauchs), so steigt diese — natürlich — ebenfalls 
nur um 133%. Vergleicht man damit vollends das Wachstum der 
Bevölkerung des Deutschen Reiches, das nur etwa 3o°/ 0 beträgt, so 
ist der Schluß berechtigt, daß zum mindesten in der Spinnerei die 
Produktion der Nachfrage weit vorausgeeilt ist. Diese Überproduktion 
kann aber, wie wir gleich sehen werden, nur die Grobgarne, etwa 
bis No. 45, betreffen. 
Für die Zwecke des neuen Zolltarifentwurfs war im Jahre 1897 
eine industrielle Enquete unternommen worden, die recht interessante 
Resultate ergab. Um gleichzeitig einen Begriff von den Werten zu 
1) Diese Zahl stimmt mit der nachher angegebenen der amtlichen Produktionsstatistik 
von 1897 mit noch nicht 1 °/ 0 Abweichung überein. 
Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. III, Heft 3. 
Lochmüller, Entwicklung der deutschen Baumwollindustrie.
	        
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