Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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Hilfsstatistiker  Edwin  S.  Holmes  habe  sich  des  Verrats  des  amtlichen
Berichts  schuldig  gemacht,  indem  er  im  voraus  Mitteilungen  bezüglich
des  Ernteberichts  an  New-Yorker  Makler  habe  gelangen  lassen.  Speziell
teilt  sie  folgendes  mit:  „Van  Riper  (ein  Makler)  traf  mit  Haas  (dem
Vermittler  zwischen  Holmes  und  Van  Riper)  im  Hotel  Waldorf  zusammen ­
  und  erhielt  beispielsweise  dort  die  Mitteilung  für  den  Monat
Juni  d.  J.,  der  Stand  der  Baumwolle  werde  mit  75  %  bezeichnet
werden,  und  man  werde  konstatieren,  daß  die  Anbaufläche  der  Baumwolle ­
  gegen  das  Vorjahr  um  12  l f t  oder  13%  zurückgegangen  sei.
Nach  diesen  Mitteilungen  .  .  .  teilte  Haas  Van  Riper  mit,  er  werde
nach  Washington  gehen  und  sehen,  ob  er  nicht  veranlassen  könne,
daß  man  den  Prozentsatz  etwas  höher  und  die  Anbaufläche  etwas
geringer  angebe,  damit  der  Bericht  für  Baissiers  etwas  günstiger ­
  laute.  Tatsächlich  fiel  der  amtliche  Bericht  auch  etwas  mehr
in  diesem  Sinne  aus“.  Van  Riper  selbst  gestand  ein,  daß,  nachdem
er  am  1.  Juni  die  mitgeteilte  Information  erhalten  hatte,  schleunigst
ein  Mittelsmann  nach  Washington  gefahren  sei,  um  dafür  zu  sorgen,
daß  die  Zahlen  etwas  „gedehnt“  würden.  Am  Morgen  des  3.  Juni
habe  dieser  gemeldet,  daß  es  ihm  gelungen  sei,  die  Schätzung  des
Erntestandes  auf  77%  heraufzubringen,  die  Ackerfläche  aber  auf  eine
Reduktion  von  11°/ 0 ,  was  als  günstig  für  die  Baisse  konstatiert
werden  könnte.  —  Präsident  Roosevelt  selbst  wandte  der  Sache
seine  besondere  Aufmerksamkeit  zu  und  drang  auf  strenge  Bestrafung
der  Schuldigen.  Auch  wird,  um  Ähnliches  in  Zukunft  unmöglich  zu
machen,  von  nun  an  ein  anderes  Verfahren  im  Statistischen  Bureau
des  Ackerbau-Departements  zur  Anwendung  gelangen.  Jedenfalls
weist  der  Vorfall  nachdrücklich  auf  die  große  Gefahr  der  Abhängigkeit
von  Nordamerika  hin.
Es  fällt  außerhalb  des  Rahmens  dieser  Arbeit,  das  System  der
„future  dclivery“-Geschäfte  eingehend  zu  besprechen.  Es  ist  schon
so  viel  über  Wesen  und  Form,  Vor-  und  Nachteile  des  Terminhandels
geschrieben  worden,  daß  ich  mich  füglich  mit  einem  Hinweis  auf  die
Literatur  begnügen  kann 1 ).  Sonndorfer 3 )  gibt  folgende  Definition  1  2

1)  Ich  nenne  vor  allem  A.  Bayerdörffer,  Der  Kaffee-  bezw.  der  Zuckerterminhandel. ­
  Conrads  Jahrbücher  1891,  Bd.  I,  3.  Folge,  S.  648  ff.  bezw.  S.  586  ff.  C.J.  Fuchs,
Der  Warenterminhandel,  seine  Technik  und  volkswirtschaftliche  Bedeutung.  SchmoIlers
Jahrbuch  1891,  Bd.  XV,  S.  52  ff.  R.  Sonndorfer,  Die  Technik  des  Welthandels.  Wien
und  Leipzig  1889,  S.  19  ff.  Die  präziseste  Darstellung  des  Terminhandels  gibt  Wermert,
Börse,  Börsengesetz  und  Börsengeschäfte,  S.  200ff.  Vgl.  ferner  noch  G.  Cohn,  Über  das
Börsenspiel,  Schmollers  Jahrb.  1895,  Bd.  XIX,  S.  29fr.
2)  A.  a.  O.  S.  22.
            
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