Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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er  gegen  die  Spekulation  der  „Outsiders“.  In  Bremen  gibt  es  de  facto
keinen  Terminhandel  mehr  seit  dem  April  1894,  aber  eine  solche
planmäßig  mit  großen  Geldmitteln  ins  Werk  gesetzte  künstliche  Aufwärtstreiberei ­
  der  Preise,  wie  sie  Sully  und  seine  Gefolgschaft  in
New-York  ermöglichen  konnten,  muß  überall  eine  Panik  verursachen.
Wir  sehen  denn  auch  die  Preise  in  Bremen  ganz  bedeutend  in  die
Höhe  schnellen.  Das  normale  Preisniveau  war  seit  Jahren  etwa  40
bis  45  Pfg.  pro  Pfd.  gewesen.  Im  Jahre  1900  stieg  der  Preis  aber
zeitweilig,  im  September  auf  61,24  Pfg-  für  Middling  Upland,
Ende  Dezember  1903  war  der  Preis  wiederum  auf  69,5  Pfg.  gestiegen, ­
  und  er  stieg  weiter,  bis  er  am  2.  Februar  1904  den  Höhepunkt ­
  mit  85,25  Pfg.  pro  1 / i  kg  erreichte.  Von  da  an  gingen  die
Preise  langsam,  aber  unter  fortwährenden  Schwankungen  zurück,
blieben  aber  noch  lange  außergewöhnlich  hoch.  Bei  dieser  Sachlage ­
  ist  eine  richtige  Berechnung,  ein  sicherer  Einkauf  schwer  möglich, ­
  die  Industrie  kommt  also  durch  die  Abhängigkeit  von  Amerika
in  eine  ganz  prekäre  Lage.
Das  Mißverhältnis  zwischen  den  Preisen  kann  bestehen  zwischen
Rohbaumwolle  und  Garn,  ebensogut  aber  auch  zwischen  Garn  und
Gewebe,  ein  Gesetz  läßt  sich  nicht  erkennen.  Jeder  der  drei  Zweige
der  Baumwollindustrie,  die  Spinnerei,  die  Weberei  und  die  Veredelung,
ist  ja  gewiß  von  den  beiden  andern  abhängig,  aber  jeder  produziert
doch  selbständig,  geht  seine  eigenen  Wege,  am  wenigsten  freilich  die
Druckerei,  Färberei,  Appretur,  diese  spielen  mehr  die  Rolle  einer
Lohnindustrie.  Kurzum,  die  Preisbildung  unterliegt  in  jedem  Industriezweig ­
  eigenen  Gesetzen,  die  allerdings  unter  Umständen  teilweise
oder  sogar  ganz  die  gleichen  sein  können.  Um  die  Preisbewegung
seit  1879  verfolgen  zu  können,  ist  auf  Grund  der  in  den  „Vierteljahrsheften ­
  zur  Statistik  des  Deutschen  Reichs“  seit  eben  jenem  Jahre
regelmäßig  veröffentlichten  „Großhandelspreise  wichtiger  Waren  an
deutschen  Plätzen“  ebenso  wie  für  Baumwollgarn  auch  für  Baumwolltücher ­
  (Kattun)  eine  graphische  Darstellung  gegeben.  Wir  können
beide  Darstellungen  daraufhin  vergleichen,  wie  sich  die  Marge,  d.  h.
die  Differenz  zwischen  Rohstoff-  und  Garnpreis  einerseits  und  zwischen
Garn-  und  Kattunpreis  andererseits,  entwickelt  hat.  Die  Typen  sind
so  gewählt,  daß  sie  einander  entsprechen;  allerdings  muß  darauf  hingewiesen ­
  werden,  daß  infolge  der  zunehmenden  Verschlechterung  der
ostindischen  Baumwolle,  über  die  allgemein  geklagt  wird,  vielfach
die  Sorte  „Good  Oomrawuttee  II“  schon  nicht  mehr  zur  Herstellung
von  Garn  No.  20  genügt.  Vergleicht  man  die  Linienzüge  für  die
verschiedenen  Margen,  so  fallen  die  scharfen  Ecken  auf,  die  namentlich
            
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