Full text: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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wähnten Schriften: H. Herkner, die oberelsässischeBaumwollindustrie 
und ihre Arbeiter, Straßburg 1887 und G. v. Schulze-Gävernitz, Der 
Großbetrieb ein wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt. Leipzig 1892. 
Die Angaben beruhen auf persönlichen Informationen. Herkner gibt 
für das Jahr 1885 folgende Durchschnittslöhne an 1 ); 
Ein erwachsener Spinner verdiente pro Tag M. 3,60 
Eine erwachsene Arbeiterin „ „ ,, „ 1,70—2,00 
Ein erwachsener Weber „ „ „ „ 3,30 
Eine erwachsene Weberin „ „ „ ,, 1,20—200 
Umgerechnet auf ein Jahr (zu 300 Arbeitstagen) würden das 
sein; der Lohn eines Spinners 1080 M., der eines Webers 990 M. 
Nach v. Schulze-Gävernitz 1 2 ) betrug für das Jahr 1895 der Jahres 
verdienst eines Spinners in Mülhausen ca. 1195 M., in Bayern und 
Württemberg ca. 1040 M. und in Sachsen ca. 1135 M. Die Löhne 
der Gehilfen waren dementsprechend 640, 452 und 572 M., die der 
Aufseher aber 1781, 1336 und 1602 M. Wenn man bedenkt, daß 
die gering bezahlten weiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte mehr 
als die Hälfte der Arbeiterzahl ausmachen, so ist leicht ersichtlich, 
daß die Durchschnittsziffer der Gesamtlöhne dadurch weit herunter 
gedrückt wird. Als Jahresverdienst der Webereiarbeiter gibt von 
Schulze-Gävernitz für 1895 die Summe von 624 M. an 3 ), eine Ziffer, 
deren geringe Höhe eben darauf zurückzuführen ist. Einzelne An 
gaben über Löhne und Arbeitszeiten in den letzten Jahren finden 
sich hier und da verstreut in der Zeitschriftenliteratur. So entnehmen 
wir z. B. einer Notiz in der „Sozialen Praxis“ 4 ), daß der Lohn der 
Weber in Crimmitschau im Jahre 1903 18 bis 22 M., der der Färber 
daselbst 13 bis 14 M. pro Woche betrug. W. Hasbach zieht in 
einem Aufsatz über die englische Industrie 5 ) einen Vergleich zwischen 
englischen und deutschen Arbeiterlöhnen und kommt zu folgenden 
Resultaten: Der Durchschnittslohn eines Baum Wollspinners betrage 
in der Rheinprovinz 3,70—3,80 M., in Bayern, im Vogtlande und im 
Elsaß 3—3,15 M. täglich, in Oldham dagegen 5 s. 6 d. bis 6 s. Ein 
Weber verdiene pro Woche in Schlesien 9 — 10 M., in Sachsen 12 M., 
am Rhein 15 —16 M. In Lancashire brächte es ein tüchtiger Weber 
auf 24 s. Nimmt man mit Hasbach an, daß die Lebensmittelpreise 
1) A. a. O. S. 308. 
2) A. a. 0. S. 138/39. 
3) A. a. O. S. 147 u. 151. 
4) I3-B ahr g- >903. S. 404. 
5) W. Hasbach, Zur Charakteristik der englischen Industrie. In Schmollers 
Jahrbuch f. Ges. u. Verw., N. F., Bd. XXVII, 1903, S. 382.
	        
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