Das erste Gebot.
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Wenn auch „die Sprache des Buddhismus keine Worte für die
Poesie der christlichen Liebe hat, der das Loblied des Paulus gilt"
(Oldenberg), so wird doch niemand dem Loblieds Buddhas auf
die N8ttä, das ich aus dem Itiyuttaka angeführt habe (S. 76 f.),
Poesie und tiefe Empfindung absprechen können. Sv verkehrt es
ist, das Christentum zugunsten des Buddhismus herabzusetzen, so
ungerecht ist es, den Buddhismus zugunsten des Christentums zu
verkleinern. In ihren Sittengcsetzeu stehen sich beide Religionen
gleich, und in der Ausführung dieser Gesetze gehen die Buddhisten
oft weiter als die Christen. So gleich bei dem ersten Gebote des
Buddhismus: „Du sollst nicht töten."
Im Dhammikasutta des Suttanipäta heißt es: „Man soll nicht
töten, noch irgendein lebendes Wesen töten lassen, noch es billigen,
wenn andere eins töten; sondern man soll sich enthalten, den Wesen
ein Leid anzutun, sowohl denen, die stark sind, als denen, die in
der Welt zittern." Mit diesem Gebote hängt, wie erwähnt (S. 36f.),
die Sitte des Regenzeithaltens zusammen. Gegen das erste Gebot
sündigt nicht nur, wer selbst tötet, sondern auch, wer die Tötung
befiehlt, ihr zuschaut, sie indirekt veranlaßt. Daher sind den Bud
dhisten die Tieropfer der Brahmanen ein Greuel, ebenso die Jagd
und der Krieg. Jäger, Fischer, Fleischer werden zu den verach-
tetsten Ständen gerechnet. Streng durchgeführt, muß das Verbot
natürlich Albernheiten zur Folge haben. Danach dürfte man auch
schädliche und lästige Tiere nicht töten, was in Indien noch viel
weniger angeht als bei uns. Dort plagt ja Ungeziefer aller Art
den Menschen, und Tausende fallen alljährlich den Tigern und
Schlangen zum Opfer In der Praxis ist man auch nicht soweit
gegangen. Daß aber das Verbot von günstigem Einflüsse gewesen
ist, dafür haben wir einen Beweis in den Inschriften des Königs
Asoka Priyadarsin (S. 67). Das erste Edikt lautet: „Hier
(d. h. in meinem Reiche) darf kein Tier geschlachtet und geopfert
und keine Festversammlung abgehalten werden. Denn der götter
geliebte König Priyadarsin findet viele Nachteile in den Festver
sammlungen. Es gibt aber manche Festversammlungen, die von
dem göttergeliebten Könige Priyadarsin für gut gehalten werden.
Früher wurden in der Küche des göttergeliebten Königs Priya
darsin viele Tausende von Tieren geschlachtet, um Brühe daraus
zu bereiten. Jetzt, seit dieses Religionsedikt geschrieben worden
ist, werden nur noch drei Tiere geschlachtet, zwei Pfauen und eine
Gazelle, und die Gazelle nicht immer. In Zukunft werden aber
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