Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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leicht  könnte  er  dem  zu  schaffenden  Reichsarbeitsaint  als  Aufgabe
zugewiesen  werden  *).
Die  Zahl  der  überhaupt  in  der  Baumwollindustrie  Deutschlands
tätigen  Personen  beläuft  sich  nach  Dr.  K.  Kuntzes  Berechnung *  2 )
auf  über  ein  Drittel  aller  Gewerbtätigen  der  deutschen  Textilindustrie,
nämlich  254546  in  Spinnerei,  Weberei  und  Veredelung  und  schätzungsweise ­
  100000  in  der  Weberei  gemischter  Waren,  Strickerei  und
Wirkerei,  Stickerei  und  Spitzenfabrikation  etc.  Vergleichsweise  waren
in  der  englischen  Baum  Wollindustrie  beschäftigt  im  Jahre  1895:
205  230  Männer  und  333  653  Frauen,  zusammen  also  538  883  Personen,
im  Jahre  1901:  193830  Männer  und  328793  Frauen,  zusammen
522623  Personen 3 ).
Bezüglich  der  örtlichen  Verteilung  der  Industrie  stehen  mir
zwei  Quellen  zu  Gebote.  In  dem  an  früherer  Stelle  herangezogenen
„mündlichen  Bericht  der  Zolltarifkommission“ 4  5 ),  der  eine  Produktionsstatistik ­
  für  das  Jahr  1900  enthält,  findet  sich  auch  eine  Berechnung
darüber,  wie  sich  die  Produktion  auf  das  Reich  verteilt.  Es  entfallen ­
  auf  die  Süddeutschen  Bundesstaaten,  in  erster  Linie  Bayern,
32,2  °/o  der  Gesamtproduktion  von  Baumwollgarn,  auf  Rheinland-Westfalen
  31,3%,  auf  Elsaß-Lothringen  15,2%  und  auf  das  Königreich ­
  Sachsen  15,1  °/ 0 .  Von  der  Produktion  der  mittleren  und  feinen
Garne  (über  No.  45)  lieferten  diese  vier  Industriezentren  in  derselben
Reihenfolge  17,4%  bezw.  13,0°/ 0 ,  39,2  °/ 0  und  30,4%.  den  Löwenanteil ­
  haben  also  Elsaß-Lothringen  und  Sachsen.  In  der  Gesamtproduktion ­
  kommt  den  Nummern  über  45,  um  daran  zu  erinnern,
allerdings  nur  2,3%  zu  (s.  S.  52).  Das  von  der  Bremer  Baumwollbörse ­
  1898  herausgegebene  „Verzeichnis  der  Baumwoll-Spinnereien
in  Deutschland,  Österreich,  Russisch-Polen,  Schweiz,  Holland  und
Belgien“ 6 )  enthält  spezielle  Angaben  über  die  Firmen,  die  Anzahl
der  Spindeln  und  den  jährlichen  Baumwpllverbrauch  derselben.  Es
liegt  uns  fern,  daraus  eine  trockene  Aufzählung  von  Daten  zu  geben.
Nur  einige  wenige  Angaben  mögen  hier  Platz  finden:  Die  Zahl  der
Spindeln,  die  1898  auf  eine  Spinnerei  in  Deutschland  im  Durchschnitt
kamen,  betrug  42  144,  sie  dürfte  seither  noch  gewachsen  sein.  Die

t)  Als  vorbildliche  Produktionsstatistik  könnte  die  des  Staates  Connecticut  U.  S.  of  A.
dienen.  Vgl.  Vierteljahrshefte  zur  Statistik  des  Deutschen  Reichs,  1898,  Bd.  I,  S.  157.
2)  A.  a.  O.,  S.  157.
3)  Statistical  Abstract  for  the  United  Kingdom.  51  th,  No.  1904,  S.  231.
4)  Aktenstück  704  b  der  Reichstagsdrucksachen.  10.  Legislaturperiode,  2.  Session
1900—1903,  Anlageband  VII,  S.  4892.
5)  Zu  haben  bei  H.  M.  Hauschild  in  Bremen.
            
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