Full text: Zur Frage der Naturalteilung

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Haftung von 89 Mitgliedern. Der Kaufpreis betrug 115000 Mk. 
Ein Teil der Grundstücke wurde zunächst im Wege des Verstriches an 
die Mitglieder abgegeben, jeder einzelne konnte dabei nach seinen Kräften 
Grundstücke erwerben. Die übrigen Grundstücke wurden teils an Mit 
glieder und Nichtmitglieder verpachtet, teils in gemeinschaftlicher Regie 
bewirtschaftet. Schon im Jahre 1903 war das auf Annuitäten auf 
genommene Kapital zurückgezahlt, es konnte die Schlußverteilnng vor 
genommen werden. Das gut organisierte Unternehmen wurde glatt 
ohne irgend welche Störung durchgeführt, jeder Genosse kam pünktlich 
seinen Zahlungsverbindlichkeiten nach, ohne sich im geringsten ver 
schulden zu müssen. Der allgemeine Wohlstand der Gemeinde hob sich 
durch diesen Grnnderwerb ganz bedeutend. 
Ein ähnliches Unternehmen bildete sich 1897 in Kleinbardorf, als 
das dortige Rittergut zum Verkaufe kam. Nahm in Waltershauscn 
die größere Anzahl der dortigen Landwirte an dem Grunderwerb teil, 
so beschränkte sich hier die Zahl der Beteiligten anfangs auf 15, später 
auf 7. Der Kaufpreis des 125 ha großen Gutes belief sich auf 
145000 Mk. und wurde durch Aufnahme einer Annuitätenschuld 
aufgebracht, für deren Rückzahlung die Beteiligten sich solidarisch mit 
ihrem Gesamtvermögen verpflichteten. Der vorhandene Grundbesitz 
wurde mit Ausnahme des Waldes zu 27 ha an die Mitglieder der 
Gesellschaft sofort zur Bewirtschaftung übertragen, nicht aber auch zu 
gleich zugeschrieben, sodaß die Besitzmehrung in der obigen Tabelle 
nicht zum Ausdruck kommt. Der ans den Einzelnen treffende Anteil 
am Grundbesitz beträgt z. Zt. 14 ha, die jährlich vom Jedem zu 
zahlende Quote ungefähr 1000 Mk. Die weitere Entwickelung des 
Unternehmens nimmt auch hier einen sehr befriedigenden Fortgang. 
In Waltershausen sowohl wie in Kleinbardorf wollten die Bauern, 
die an dem Grnnderwerb beteiligt waren, verhindern, daß das Gut 
wieder durch einen Einzigen übernommen und so ihnen der größte und 
wertvollste Teil der Felder entzogen würde. Diese bedeutenden Grund- 
erwerbimgen sind ein erfreuliches Zeichen bänerlichenUnternehmnngsgeistes. 
Fassen wir das Ergebnis der Statistik zusammen, so zeigt sich die 
Besitzverteilnng im Grabfeld unter dem Einfluß der Naturalteilung als 
eine gesunde, wenn auch Besitz- unb Betriebseinheit im Durchschnitt 
hinter der im Bezirke der ungeteilten Uebergabe zurückbleibt. Das 
Weniger an Fläche wird durch die höhere Fruchtbarkeit ausgewogen. 
Neben kleinen Anwesen sind auch Bauerngüter mittlerer Größe in statt 
licher Zahl vorhanden. Der Bauer hängt auch hier mit Liebe an seiner 
Scholle, an der er stets einen Rückhalt findet.
	        
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