D. Ricardo.
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lem Postulat einer Gütervertheilung nur nach der Arbeit um-
wandelt.
Da man bei Ricardo’s scharfem Geist plumpe Selbst-
‚äuschung nicht annehmen darf, so kann man unmöglich seine
vanze Werthlehre für etwas Anderes ansehen als für den Ver-
such, die Herrschaft und den Gewinn des Capitals unter dem
Schein des Strebens nach naturrechtlicher Gerechtigkeit zu
rechtfertigen. Gleich das erste Capitel der Principles er-
scheint sonach trotz all seiner formalen Schärfe als ein be-
wusstes Sophisma, das sich rächen musste. Wahrlich, die-
jenigen liberalen Wirthschaftspolitiker, die an Ricardo’s
Autorität festhalten zu müssen glauben, können nicht wider-
sprechen, wenn Christlich- Sociale und Social - Konservative
ihnen vorwerfen, der Socialismus sei die Consequenz des
Liberalismus. Und doch kann sich unter Ricardo’s Formeln
aur derjenige beugen, der selbst Sophismen in die Welt
Schleudern will, oder, ermüdet von den abstracten Formeln,
zu träge ist, diese kritisch zu untersuchen.
Nicht minder berühmt und einflussreich als das erste ist
las zweite Capitel der Principles, das von der Grundrente
handelt. — Hierbei ist es eine ganz gleichgültige Frage, ob
in Wirklichkeit zuerst das fruchtbarste, oder, wie Carey meint,
das unfruchtbarste Land dem Anbau unterworfen wird. Die
Carey’sche Opposition gegen Ricardo hält sich an einen Neben-
punkt und hat keinen weiteren Effect, als eine Ricardo’sche
Consequenz, die dem Optimisten unangenehm ist, hinweg zu
disputiren. Das Ricardo’sche Schema, dass der Reihe nach
Boden erster, zweiter, dritter Classe ete. in Anbau genommen
wird, ist eine das Verständniss erleichternde Formel, die von
der Abneigung des Autors, wirklich sich vollziehende Ent-
Wicklungen zu verfolgen, zeugt — und weiter nichts. Das,
worauf es ankommt, ist Folgendes:
Ricardo sagt, der Preis des Korns bestimme sich durch
die Arbeitsmenge, die auf dem schlechtesten Boden zur Pro-
duetion des Korns aufgewendet werden muss, dessen Anbau
zur Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln noch