Full text: Zur Frage der Naturalteilung

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läßt sich das Anwachsen iin 19. Jahrhundert stufenweise nachweisen, 
sofern keine sonstigen besonderen Verhältnisse vorlagen, die das Wachsen 
oder Abnehmen der Bevölkerung irgendwie beeinflußten. Am deut 
lichsten tritt die Bevölkerungszunahme in Höchheim, wo anfangs des 
vorigen Jahrhunderts die 42 Hubgüter zerschlagen wurden, hervor. 
Höchheim hatte im Jahre 
1800 1830 1879 1903 
296 299 413 464 Einw. 
Wir sehen, daß der Übergang von ungeteilter zu geteilter Guts 
übernahme ein Anwachsen der Bevölkerung bewirkt. Man sollte glauben, 
daß die Naturalteilung auch selbst wieder einen solchen mehrenden Ein 
fluß ausübt. Durch die Aufteilung des Grundbesitzes unter die Kinder 
und durch die dadurch bewirkte wirtschaftliche Sclbständigmachnng ent 
stehen wieder neue Familien. Diese Erbweise, konsequent durchgeführt, muß. 
sollte man meinen, ein stetiges Wachsen der Bevölkerung zur Folge haben. 
Der Geburtenüberschuß der Natnralteilnngsgemeinden des Grab 
feldes beträgt in dem Zeitraum 1890—1900 durchschnittlich 118. Und 
doch ist die Bevölkerung der Natnralteilnngsgemeinden merkwürdig stabil, 
was nachfolgende Tabelle (S. 55) veranschaulicht. 
Wie kommt das? Man ist geneigt, sich das Anwachsen der Be 
völkerung in Naturalteilungsgegenden so vorzustellen, daß mail sagt: 
jedes Kind bekommt seinen Anteil an Grundstücken, mit dem es sich 
selbständig machen kann, die Wirtschaften und Familien müssen sich 
natnrnotwendig dementsprechend mehren. Unwillkürlich taucht die Frage 
auf: Wo können die Kinder, die das elterliche Haus nicht übernehmen, 
unterkommen? Das elterliche Haus bietet doch nur jelveils für de:: 
Haushalt eines der Kinder Raum, für die übrigen Kinder können doch 
nicht immer neue Häuser gebaut werden. Betrachten lvir in der Tabelle 
ans S. 55 das Verhältnis zwischen Wohngebäuden und Haushaltungen, 
jo ergibt sich in den meisten Orten sogar noch ein Überschuß an 
Wohngebäuden. 
Dem Wachstum der bäuerlichen Wirtschaften und Familien ist 
immer durch die Ertragsfähigkeit und Unvermehrbarkeit des Grund und 
Bodens eine natürliche Grenze gesetzt. Das weiß der Bauer; er richtet 
sich auch danach. 
Die Stabilität der Bevölkerung erklärt sich ans mannigfachen 
Gründen. Nicht alle Kinder heiraten, nicht selten kommt es vor, daß 
mehrere Geschwister zusammen auf dem elterlichen Anwesen forthausen 
oder daß eines der Geschwister bei einem der Verheirateten lebt. Am 
meisten wird der Boden durch Wegzug der Kinder entlastet. Die im 
großen und ganzen günstige Besitzverteilung im Grabfeld zeigt, daß 
eine Abstoßung der überschüssigen Elemente erfolgt. Ein Teil heiratet
	        
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