fullscreen: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

122 Deutschland (Urproduktion: Nahrungspflanzen). 
ist D. entschieden von: Ausland abhän- 
gig. Zwar wird ein sehr großer Teil 
des Getreides, nachdem es einer Verede 
lung unterzogen worden ist, dem Ausland 
zugeführt; aber dennoch wird ein großer 
Teil der Einfuhr im Land oerbraucht, und 
dies ist schon seit längerer Zeit und in gu= 
nehmendem Maß der Fall. 1880 betrug 
der Handel mit Cerealien (in Tonnen): 
Einfuhr Ausfuhr 
Weizen. . . . 227543 178176 
Roane» . . . 689588 26587 
Gerste .... 222262 154409 
Hafer .... 161686 43577 
Mais .... 340640 1 369 
Kartoffeln. . . 30381 578951 
Im Vorjahr war die Einfuhr oicl bedeu 
tender gewesen, ilnd auch die Ausfuhr, aus 
genommen bei Mais, stand höher. Doch 
war die Durchfuhr, die jetzt besonders an 
gemeldet werden muß, früher oft mit auf 
geführt. Die Kartoffelausfuhr geht meist 
nach England. 
Weniger für den Handel als für die 
Ernährung der einheimischen Bevölke 
rung sind erwähnenswert: Buchweizen, 
Hirse, Mais und Menggetreide. Eine her 
vorragende Stelle im Verkehr nehmen aber 
die Hülsenfrüchte ein, mit welchen 
1878 (einschließlichMischfrncht) 1,576,905 
ha und zwar hauptsächlich in den östlichen 
preußischen Provinzen (vornehmlich in 
Posen und Brandenburg) bestellt waren. 
Der Handel mit diesen Produkten betrug 
(in Tonnen) : 
Einfuhr Ausfuhr 
. 1879: 107112 84159 
1880 : 30284 40360 
Vermöge einer starken Mühlenindustrie, 
welche nach der Gewerbezählung von 1875 
126,563 Personen beschäftigte, kann aber 
Mehl ansehnlich ausgeführt werden und 
awr 1879:202,101 ion., 1880:104,301 
T. gegen eine Einfuhr von 52,645 T. im 
letzten Jahr. 
Der Handel mit Mehl aus Getreide 
und Hülsenfrüchten wertete 1879 in der 
Einfuhr 80,6 Mill., in der Ausfuhr 67,2 
Mill.Mk. Mit,Hinznrechnnng der Werte 
andrer in den Handel gelangenden Ge 
treidearten und Mahtfabrikate (einschließ 
lich Reis) ergibt sich folgende Übersicht: 
Jnhr 
Wert in Millionen Mark 
Einfuhr Ausfuhr Mehreinfuhr 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
279.3 
414.0 
482.4 
418.0 
595.0 
716.0 
612.0 
688,0 
215,1 
249.0 
240.0 
268.0 
222,1 
378.0 
375.0 
350.1 
64,2 
165.0 
242,4 
150.0 
372.9 
338.0 
237.0 
337.9 
1879 verteilten sich diese Werte auf die ein 
zelnen Gegenstände (in Tausenden Mark): 
Einfuhr Ausfuhr 
Weizen 192000 127000 
Roggen 220000 21800 
Gerste 50400 40600 
Hafer 44400 15500 
Mais 24000 1 850 
Reis 23880 20 
Hülsenfrüchte . . . 21300 16700 
Kartoffeln .... 2200 35100 
Malz 21300 5 540 
Mehl 80600 67180 
Es hatte also das Deutsche Reich von 
1872—79 int ganzen netto 1900 Mill. 
Mk. (durchschnittlich im Jahr 237 Mill. 
Mk.) für die aufgeführten Bodenfrüchte 
und Nahrungsmittel an andre Länder zu 
zahlen. Unter diesen steht Rußland in 
erster Linie; ihm schließt sich Österreich, in 
nettester Zeit auch Nordamerika an. 
Von dem eingeführten Weizen geht der 
größte Teil nicht in die Konsumtion über; 
D. spielt hier nur die Rolle des Zwischen 
händlers. Der meiste Weizen geht nach 
England, das aitch hervorragender Abneh 
mer von Gerste ist, der meiste Roggen 
nach Norwegen. — Die wichtigsten 
Märkte für Getreide sind im Süden: 
München, Straubing und Landshnt, im 
Norden: Danzig, Stettin, Berlin, Magde 
burg, Rostock. Die wichtigsten Ausfuhr 
häfen sind Danzig und Stettin. 
2) Handelsgewächse. Wenn D. 
in wachsendem Maß bett Bedarf von Ce 
realien und Feldfrüchten aus dem Aus 
land beziehen mußte, so ist dieser Umstand 
zum Teil wenigstens der zunehmenden 
Richtung zuzuschreiben, wonach gerade in 
neuerer Zeit die fruchtbarsten Gegenden sich 
dem Getreidebau entzogen haben. Den 
noch widmet D. diesen wichtigsten Früchten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.