Full text : Der russisch-japanische Krieg und die japanische Volkswirtschaft

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Jeder  moderne  Staat,  dessen  wirtschaftliche  Kräfte  eine  stets  aufsteigende ­
  Tendenz  verraten,  muß  nicht  nur  suche»,  ein  großes  Reich,
in  territorialem  Sinne,  zu  besitzen,  um  seinem  arbeitsamen  Volke  jegliche
Gelegenheit  311  irgend  welcher  erwünschter  produktiver  Tätigkeit  geben
zu  können,  sondern  er  muß  auch  ini  Interesse  seines  Handels  über  gut
entwickelte  Küstenlinien  verfügen,  um  so  den  großen  Weltverkehr
wenigstens  zum  Teil  seinem  eigenen  Lande  direkt  zulenken  zu  können.
Nun  wird  Rußland  im  Westen  von  Deutschland,  im  Süden  von  England ­
  begrenzt;  seine  Seeküstenlinien  sind  für  den  Handel  so  gut  wie
wertlos,  da  sie  zu  weit  nördlich  gelegen  und  die  Häsen  auf  Monate
hinaus  vom  Eise  verschlossen  sind.  Es  ist  daher  für  Rußland  völlig
begreiflich  und  richtig,  wenn  es  sich  in  der  Mandschurei  und  in  Korea
an  der  Küste  des  großen  Ozeans  eisfreien  Zugang  zum  Meere  verschaffen ­
  will,  aber  ebenso  begreiflich  ist  es  auch,  daß  Japan  innerhalb
dieser  Gebiete  keinen  störenden  Einfluß  seiner  Interessen  dulden  kann,
sondern  vielniehr  bestrebt  sein  muß,  angesichts  des  russischen  Vordringens
seine  historisch  begründete  Machtpolitik  hier  wesentlich  zu  verstärken.
Hier  gibt  es  also  kein  Recht  und  kein  Unrecht,  sondern  es  ist
lediglich  der  Kampf  um  die  Überlegenheit  des  einen  Staates  über  den
anderen,  wie  ihn  die  Weltgeschichte  so  oft  gesehen  hat.  Daß  ein  Volk
ini  Vollbewußtsein  seiner  Kraft  und  um  seine  wirtschaftliche  Selbstständigkeit ­
  zu  heben  und  seiner  wirtschaftlichen  Entwicklung  die  geeigneten ­
  Bahnen  zu  erschließen,  den  schwächeren  unterdrückt,  ist  das
Recht  eines  jeden  Volkes  rmd  das  treibende  Agens  einer  jeden  Ausdehnungspolitik. ­


2.  Kapitel.
Die  japanische  Volkswirtschaft  als  ei»  Machtfaktor  des
russisch-japanischen  Krieges.
Daß  unser  Land  diesen  Krieg  aus  wirtschaftlicher  Veranlassung
heraus  begonnen  hat,  ist  des  früheren  bereits  hervorgehoben  worden,
aber  trotzdeni  dürfte  Japan  den  Krieg  wohl  nicht  angefangen  haben,
wenn  es  nicht  des  Umstandes  sich  bewußt  gewesen  wäre,  daß  ihm  die
zur  Kriegsführung  in  modernein  Sinne  erforderlichen  gewaltigen  Hilfsmittel ­
  wirtschaftlicher  und  pekuniärer  Natur  auch  zur  Verfügung  ständen.
In  diesem  Sinne  unterscheidet  sich  der  moderne  Krieg  gegen  frühere
Feldzüge,  wie  das  Handwerk  vom  maschinellen  Großbetriebe.  Doch
darf  man  diese  rein  wirtschaftlichen  Faktoren  nicht  allein  als  deir  ein»
zigen  Hülfsfonds  zum  Kriege  betrachten,  sondern  man  muß  wissen  und
anerkennen,  daß  die  vorzügliche  Verfassung  und  Durchbildung  des
            
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